... - mit dieser Legendenbildung in der Nachkriegszeit räumt die neue Ausstellung im Deutschen Historischen Museum auf. Nach „Hitler und die Deutschen“ nun das: „Ordnung und Vernichtung“. Das ist erstmals der groß angelegte Versuch, die Geschichte der Polizei im NS-Staat zu zeigen. Nach mehr als 60 Jahren bringen Historiker und Politiker endlich den Mut auf, sich der Wahrheit anzunähern. Die Polizei im NS-Staat war genau so an Mord und Vertreibung beteiligt wie zum Beispiel Wehrmacht und Justiz. Den Terrororganisationen der NSDAP folgte nach 1933 auch der Polizeiapparat durch Selbstgleichschaltung.
Darüber wie alles schon in der Weimarer Republik anfing und wie alles endete bei der Übernahme vieler Täter in Polizeiuniformen in die neuen Ordnungsbehörden (Bundesrepublik, DDR, Berlin), darüber informiert die Ausstellung. Mit der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster wurden erschreckende Dokumente und Fakten zusammengetragen, die dem Betrachter im DHM zeigen, wie die Polizei als zentrales Herrschaftsinstrument des NS-Regimes eingesetzt wurde.
Wichtiger noch als die Wirkung auf den Besucher ist den Ausstellungsmachern eine Innenwirkung auf die Ausbildungslehrpläne der Polizei heute. Warum müssen die Polizisten aus der Geschichte lernen? „Die bewusste Konfrontation mit der eigenen Geschichte in der NS-Zeit hilft der Polizei, ihre Rolle im demokratischen Rechtsstaat sensibel und selbstkritisch wahrzunehmen“, sagt Klaus Neidhardt, Präsident der Hochschule. Das klingt staatstragend. Konkret wird sein Kollege Dr. Wolfgang Schulte. Er schildert eine Situation, wie sie im Alltag eines Polizisten immer wieder vorkommt. Als Ordnungsmacht steht der Beamte oft zwischen den streitenden Parteien. Wie verträgt er Beschimpfungen auf der Straße, z.B. "Polizisten - Büttel der Faschisten“?
In seiner Ausbildung hat er nie davon gehört oder gelernt, was seine sogenannten Kollegen zwischen 1933 und 1945 getan haben. Erst wenn er die geschichtlichen Zusammenhänge seiner Behörde kennt und einordnen kann, ist er in der Lage diese Sprüche und Vorwürfe auch zu verarbeiten. Wissen schafft Gelassenheit. Nach einem Blick in die Ausstellung, nach dem Unterricht im Fach historisch-politische Bildung, weiß er im alltäglichen Handeln, dass die Polizei im Faschismus nicht sauber war. Nach langem Schweigen oder bewussten Verschleierungen wird in dieser Ausstellung die Aufklärung schonungslos vorangetrieben. Es gibt keinen Schlussstrich.
Ordnung und Vernichtung - Die Polizei im NS-Staat
Eine Ausstellung der Deutschen Hochschule der Polizei
und des Deutschen Historischen Museums
vom 1. April 2011 - 31. Juli 2011


















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