Berlin ist bekanntermaßen ein schwieriges Terrain für Radfahrer. Viel zu oft lesen wir schlechte Nachrichten, wenn es Unfälle mit motorisierten Verkehrsteilnehmern gibt. Rechtsabbiegende LKW und PKW sind häufiger ein tödliches Problem.
Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer, wenn es das Wetter erlaubt. Wenn nicht, dann hole ich auch schon mal das Auto aus der Tiefgarage. Je nach Situation verstehe ich den einen und den anderen Verkehrsteilnehmer. Soweit die Einleitung.
Jetzt schreibe ich als Radfahrer, der sich auch gern aufregt über die Autofahrer. Über DIE Autofaher? Ich will genauer sein.
Es gibt eine Gruppe von Auto fahrenden Frauen, vor denen ich einen höllischen Respekt habe. Das sind die Frauen, die mit Kopftuch hinter dem Steuer sitzen.
AHA!! Da höre ich einen Aufschrei vom Leser: Wieder so ein Islamophober, der sich über türkische oder arabische Frauen mit Kopftuch aufregt.
NEIN, meine Gründe sind ganz praktischer Art. Ich beobachte als Radfahrer, dass ich oft übersehen werde, wenn ich an diesen Fahrerinnen vorbei fahre. Sie sehen mich nicht. Warum werde ich als Radfahrer übersehen? Beim genauen Hinschauen erkenne ich: Weil die vorgezogenen Seiten des Kopftuches wie Scheuklappen wirken. Der Blickwinkel dieser Fahrerinnen ist offenbar eingeschränkt. Sie sehen nur gerade aus und ahnen nicht, was sich im Seitenbereich bewegt. Man gestatte mir die Erklärung für Scheuklappen: Pferde vor dem Wagen trugen in den schlechten, alten Zeiten Scheuklappen, damit Sie nur gerade aus schauen konnten und nicht durch Bewegungen links und rechts neben ihnen abgelenkt wurden. Oder, jeder von uns kennt das eingeschränkte Gesichtsfeld, wenn er eine dieser Kapuzen über den Kopf zieht und nicht merkt, was neben ihm passiert. Reden wir also nicht mehr vom Scheuklappenblick, sondern vom Kapuzenblick oder Tunnelblick.
Eigentlich ist es mir egal wie wir es nennen, für Radfahrer (und evtl. andere Verkehrteilnehmer) ist diese eingeschränkte Sicht der Autofahrer nicht ganz ungefährlich. Vielleicht gibt es Leser, die die gleichen Erfahrungen gemacht haben? Als Radfahrer möchte ich von den Stärkeren hinter ihrem Steuer gesehen werden. Fahrer mit Handy am linken Ohr und einem Pappbecher Coffe-to-Go in der Rechten stufe ich allerdings schon in die Kategorie der kriminellen Autofahrer ein. Da habe ich als Radfahrer keine Chance. Dennoch vermisse ich bei denen mit Tunnelblick im Straßenverkehr oft die nötige Aufmerksamkeit und Umsichtigkeit. Meine grelle Fahrradweste in Leuchtfarbe bewahrt mich hoffentlich davor, dass der nächste sichtlich eingeschränkte Autofahrer mich in letzter Minute nicht übersieht.













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