Jetzt bin ich zum wiederholten Mal überrascht, wie ich angeguckt werde, wenn ich sag: Ich geh heut Abend Josef Hader gucken. Denn obwohl Hader nun schon zum ich-weiß-nicht-wie-vielten-Mal in Berlin gastiert, haben Viele den immer noch nicht auf dem Schirm. Höchste Zeit, das zu ändern:
Josef Hader, gebürtiger Österreicher, ist hierzulande vor allem durch die Verfilmungen der Wolf Haas-Krimis ein Begriff, zuletzt 2009 in der "Der Knochenmann". Dort spielt er auf unnachahmliche Weise den Privatdetektiv Brenner, der mit einer Mischung aus Gleichmut und Planlosigkeit von einer Katastrophe in die nächste schliddert und am Ende doch den Bogen kriegt, irgendwie. In seinem anderen Leben ist Hader Autor und Kabarettist, aber mit dem biederen Scheibenwischer- und Distel-Programm, wo sich erwachsene Männer Merkel-Perücken auf den Kopf ziehen, hat Hader nichts gemein. Haders Programme handeln von Menschen und ihren Schwächen. Die große sarkastische Geste ist ihm fremd. In seinen Programmen lässt er Figuren zu Wort kommen, die mit komplexen Gefühlen und Meinungen ausgestattet sind; und überlässt es den Figuren selbst, die feinen Unwahrheiten zu entlarven, mit denen sie sich ihre Leben zurecht biegen. Die urkomischen Programme, die in Österreich fast schon zur Allgemeinbildung gehören, entfalten dabei nicht selten einen Hang ins Melancholische.
Nirgends gelingt diese Mischung aus Melancholie und Entlarvung so genial wie in seinem letzten Programm, „Hader muss weg“, von 2004. Dort erscheint Hader nur ganz kurz als er selbst auf der Bühne, verschwindet unter einem Vorwand und taucht über die volle Länge des Abends bloß noch in den Rollen unterschiedlicher Figuren auf. Eine Figur ist jämmerlicher als die nächste, aber Hader überantwortet sie nie der Lächerlichkeit, sondern gerade in der Jämmerlichkeit seiner Figuren entdeckt er eine Spur ihrer Würde.
Im Babylon Mitte spielt Hader noch bis zum 10.10. einen Querschnitt aus seinen Programmen. Außerdem läuft dort eine Hader-Filmreihe. Unbedingt empfehlenswert.












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