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Die Deutsche Bahn – eine Sauna auf Schienen
Foto: kaffeeeinstein, Quelle Lizenz: Creative Commons

Die Deutsche Bahn – eine Sauna auf Schienen

von Elke

Deutsche Bahn. Ja, ich klinke mich da jetzt auch mal ein in das Gezeter gegen die Deutsche Bahn. Ist ja gerade ein sehr beliebtes und hoch aktuelles Thema. Und warum sollten nicht auch wir Berliner eine Meinung dazu haben?! Immerhin gelten wir ja als weltgewandt, fahren gerne mal ins Grüne oder noch weiter weg und kehren schließlich erleichtert wieder in unsere heißgeliebte Stadt zurück. Erleichtert? Wir Berliner (und damit meine ich natürlich alle, die sich als Berliner fühlen) wissen schon warum. Wir gucken zwar gerne mal über den Tellerrand, sind dann aber doch ganz zufrieden, wenn wir wieder in unsere wunderbare Stadt zurückkehren. Ist eben nirgends so schön wie hier.

Eine Sauna auf Schienen
Doch zurück zu der geliebten Klimaanlage, denn wenn wir mal ganz ehrlich sind: Sooooo neu ist das Problem mit der Klimaanlage ja nun auch nicht. Schon häufiger ist die Klimaanlage in Zugteilen der ICEs ausgefallen. Ob im Frühling, Herbst oder Winter, bislang hatte die Bahn Fortuna auf ihrer Seite und ist mit einem blauen Auge und entnervten Kunden davongekommen. Ich hatte bisher immer das Glück, auf hilfsbereites Bahnpersonal zu treffen, das versuchte, die Reisenden auf die anderen Wagen zu verteilen. Peinlich berührt war ich eher von den Mitfahrern, die herumbrüllten und das Personal als inkompetent und dumm beschimpften. Schon aus Prinzip ist das Bahnpersonal am Leid der Menschheit und ganz besonders am persönlichen Leid der betroffenen Person Schuld. Wer vermurkste ihr Leben? Die Bahn!
Was mich eigentlich nervt, ist, dass man offensichtlich nichts unternommen hat. Trotz bekannter Probleme und regelmäßiger Überheizung der Züge. Sicherlich hatte niemand mehr mit solch einem Sommer gerechnet, doch das allein kann keine Entschuldigung sein dafür, was am vergangenen Wochenende geschah: Schwächeanfälle, Zusammenbrüche, Dehydrierung. Wie groß muss die Verzweifelung sein, wenn man mit letzter Kraft versucht, in der rollenden Sauna die Fensterscheiben einzuschlagen, um Luft zu bekommen?! Immerhin versucht man jetzt das Thema in den Griff zu bekommen und die Kühlungstechnik soll bei den nächtlichen Wartungen besonders gründlich überprüft werden. Reichlich spät, wie ich finde.

Wenn wie gestern aufgrund von Unwettern der Bahnverkehr zum Erliegen kommt, ist das für die Reisenden sicherlich ärgerlich, kann aber nachvollzogen werden. Wenn aber monatelang an der Überprüfung technischer Schwachstellen gespart wird, ist das ein echtes Unding.

Fotos

Kommentare

Ayanda
Ayanda - 17.07.2010 - 20:51
Mit erstaunlich simplen Argumenten reden sich die politisch Verantwortlichen aus der Affäre. Was alle Bahnkunden längst wussten, das dient heute zur Rechtfertigung der Schlampereien. Ex-Bahn-Chef Mehrdorn sparte die BAHN kaputt. Jetzt-Bahn-Chef Grube wird quasi als Nachlassverwalter hingestellt. So jedenfalls sieht es sein zuständiger Minister Ramsauer. Der taucht immer nur dann im Fernsehen auf, wenn es in seinem Zuständigkeitsbereich knirscht. (z.B. Flugverbot wg. Aschewolke) Im Dezember 2009 hat dieser Minister eine saftige Preiserhöhung der DB abgenickt? Wie viel Personal (nicht Manager) wurde von Grube „freigesetzt“ oder Stellen nicht neu besetzt? Wie viele Reparaturbetriebe wurden weiter geschlossen? Und dieser Minister stellt sich hin und sagt, dass Qualität und Service der Bahnbetriebe schlecht seien. Warum senkt er dann nicht die Preise und macht den Schluck aus der Pulle vom Dezember rückgängig? Das wäre ein echtes Zeichen für eine neue Politik. Ob Bahnmanager Grube davon kommt, wenn er jetzt die Schwarzen Peter an Siemens und Liebherr als Hersteller weiter gibt? Auch er ein typischer Manager aus der Industrie (Daimler). Was interessieren ihn Vorwürfe? Die Manager von BP wollten zu Beginn der Ölkatastrophe auch ablenken und versuchten die Schuld dem Hersteller der Bohrinsel in die Schuhe zu schieben. Ein Glück, dass der US-Präsident auf diesen Trick nicht reingefallen ist. Mal sehen, ob unser CSU-Minister den Trick des CEO Gruber durchschaut? Nach dem Berliner S-Bahn Desaster und dem Klimaschock in den ICE-Zügen könnte die Ablösung Grubes ein Neuanfang sein.
Fritze
Fritze - 16.07.2010 - 00:19
Seit zehn Jahren fahre ich mit dem ICE regelmäßig zwischen Berlin und Köln hin und her. Ungezählt die Klagen der Fahrgäste über die Klimaanlage in den Wagen, zu jeder Jahreszeit. Im Winter frieren sich die Fahrgäste der Arsch ab, im Sommer fehlt die frische Luft und Kühlung. Doch meistens ist es viel zu kalt. Als regelmäßiger Pendler lasse ich mich vom Zugführer nicht einschüchtern, wenn ich gelegentlich in die Erste Klasse wechsele, weil die anderen Wagen der Zweiten Klasse mit funktionierender Klimaanlage überfüllt sind. Beschwerden fruchten nicht. Die Pendler mit den Jahreskarten kennen die so genannten Schwachstellen im ICE 1 und ICE 2. Natürlich auch die Verantwortlichen bei der DB und die zuständigen Politiker in der Bundesregierung. Mehdorn musste schließlich gehen, weil seine Ausreden zum Politikum wurden. Ist jetzt sein Nachfolger Grube dran? Denn NICHTS hat sich im Management der Bahn geändert. Die technischen Probleme der ICE-Züge zwischen Berlin und Köln sind seit langem bekannt, jeder der es wissen will, kann die Ursachen schon seit Jahren nachlesen. André Werske schreibt auf seiner Internetseite: "Als der ICE 1991 sein Debüt gab, ging man von einer Einsatzzeit von 15 Jahren aus. Später fasste man 2010 als Betriebsende ins Auge. Ab diesem Zeitpunkt sollte er vom HTE (High Speed Train Europe) ersetzt werden. Finanzielle Engpässe und nationale (technische) Grenzen brachten aber vorerst die Pläne zum Scheitern. Zwischen Mitte 2005 und Ende 2008 wurden die ICE-Züge der ersten Generation noch für weitere zehn Jahre fit gemacht." Alles galt hauptsächlich der Kosmetik in den Fahrgasträumen, z.B. wurden sogar engere Sitzreihen eingebaut, um mehr Passagiere pro Wagen unterzubringen. "Von der technischen Seite her gibt es weniger zu berichten. Unklar ist, ob elementare, technische Komponenten erneuert werden mussten, die nach der hohen Inanspruchnahme der Züge eigentlich verschlissen waren." (Quelle: http://www.hochgeschwindigkeitszuege.com/deutschland/ice-1.php) Die Gründe für die « finanziellen Engpässe » der DB kennen wir heute.

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