Döner, Liebe der Nachtschwärmer, was wäre Berlin ohne ihn, seinen sich bis in den Nachmittag des Folgetages verlängernden Geschmack. Döner, das ist vermutlich der einzige Spieß, der mehrmals umgedreht noch schöner machen soll, was in Anbetracht der Beigabe dutzend verschiedener Salatsorten von Zwiebel bis Rotkraut nicht weiter verwunderlich ist. Der Döner oder Döner Kebab ist ein ursprünglich türkisches Gericht, es bezeichnet "sich drehendes Grillfleisch" (ganz ursprünglich ist er allerdings griechisch, weshalb er in Frankreich auch "le Grec", der Grieche, genannt wird). Der bessere Döner besteht aus Fleischscheiben, die schichtweise auf einen Drehspieß aufgesteckt werden, gelegentlich noch kombiniert mit Tomaten und Kartoffeln. Der schlechtere Döner hingegen besteht einfach aus einer angelieferten Rolle Fleischmatsch und ist geschmacklich mit frischem Döner gar nicht zu vergleichen, lässt sich mittlerweile sogar in den Tiefkühltruhen diverser Supermärkte erstehen. Der Originaldöner wird mit Lamm- oder Hammelfleisch zubereitet, in Berlin ist der Chickendöner aber allgegenwärtig. Der Dönerstandard ist Döner Kebab, serviert in Fladenbrot oder Pide und mit Sauce "KnoblauchKräuterScharf", aber auch der an Wraps erinnernde Dürüm Döner wird überall angeboten. Im Unterschied dazu wird der Dönerteller, der dem Originalgericht vermutlich näher kommt, mit Reis serviert. Eines haben sie alle gemeinsam: Das geschichtete, in ständiger Umdrehung befindliche Fleisch wird frisch mit einem scharfen langen Messer oder etwas, das aussieht wie ein Miniaturschleifgerät in dünnen Scheibchen abgehobelt.
Bei etwa 200 bis 300 Tonnen täglicher Produktion und einem Jahresgewinn von 2 Milliarden Euro kann man durchaus von einem Siegeszug sprechen. Dieser hat vermutlich vor allem mit dem unglaublichen Geruch des frisch gegrillten Fleischs und seiner großartigen Eignung als Unterwegsfutter zu tun. Der Döner ist aber auch das Essen, dessen Vertilgung eine eigene Disziplin darstellt (aber Flecken und Essenreste auf Hose, Schuh und Bauch spielen um 3 Uhr morgens ja sowieso keine Rolle mehr). Die Märchenspuren der Zukunft werden jedenfalls nicht mehr mit Brotkrümeln, sondern mit Döner gelegt. Ein liegen gelassener Döner eignet sich im Übrigen auch prima zum Abtöten anderer Wohnungsgerüche.
Berlin ist, preislich gesehen, eine Dönerhaupstadt. Während man in anderen Städten nur neidvoll die Hände vors Gesicht schlagen kann, passt der Berliner Döner ab 2 Euro in jedes Portemonaie. Ein Spieß, dessen Fleisch zum Fernsehturm geschichtet wurde, ist uns leider noch nicht begegnet, aber wiir werfen das hiermit mal als Vorschlag ins Rennen.
In Berlin gibt es unzählige Dönerbuden, die meisten in Neukölln, Kreuzberg und Tempelhof, nach wie vor ungeklärt ist die Frage: Wer hat den Besten?












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