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"Ein fleischloser Tag für Berlin!"
Foto: dotbenjamin, Quelle Lizenz: Creative Commons (cc)

"Ein fleischloser Tag für Berlin!"

Dolly Duster ist 1974 aus der DDR in den Westen gekommen. Hier erzählt sie über Umzugsquerelen, ihre ersten Begegnungen mit den Berlinern, die Notwendigkeit von Tierschutz und eine Stadt, die mehr soziales Engagment verdient.

 

Ich bin 1974 aus der DDR geflüchtet, mit einem Schlauchboot über die Ostsee. 

Ich lebte 31 Jahre in Köln. Ich wollte mich dann verändern und da kam für mich nur noch Berlin in Frage.
Da ich in der Nähe von Leipzig geboren bin, war ich so meiner alten Heimat auch ein Stück näher, wo es einen wohl immer wieder hinzieht. Als die Mauer noch stand musste ich nach Berlin zu meinen Auftritt ins La vie en Rose - das damals noch im Europacenter war - immer fliegen und es war ein komisches Gefühl, jetzt auf der anderen Seite der Mauer zu stehen. Ich trat schon damals als Travestiekünstler auf.

Als ich vor 5 Jahren nach Berlin zog, war der Vermieter nicht da und der Umzugswagen musste nach Köln zurückgebracht werden von einem Kumpel. So stand ich mit meinem ganzen Krempel und meinen 3 ollen Goldfischen im Hinterhof des Hauses im Sommer und hoffte, dass es nur nicht anfängt zu regnen. Zum Glück gab es einen Wasserhahn um meinen Goldfischen frisches Wasser zu geben, die schon durch die lange Fahrt nach Luft schnappten. So muss man sich wohl fühlen wenn man ausgebombt ist, dachte ich noch so bei mir. Den Vermieter bekam ich nicht an die Strippe. Es fing an zu dämmern und ich machte mir mein Bett zurecht unterm Berliner Sternenhimmel, zwischen Waschmaschine, Fernseher und dem Rest der Möbel. Aber ich war in Berlin.

Die Berliner Mieter, die ab und an, an mir vorbeikamen, schnallten wohl gleich die Situation und fragten, ob ich einen Kaffee haben möchte und ich sagte dankend ja. Ich überstand die Sommernacht unbeschadet im Freien und es hat auch zum Glück nicht geregnet. Am nächsten Nachmittag trudelte dann auch der Vermieter ein und ich konnte endlich alles in die Wohnung tragen. Ich hatte gleich irgendwie das Gefühl, zuhause angekommen zu sein. Und da mich Berlin gleich mit so angenehmen Menschen und mit dem vielen Grün überraschte, fing ich sofort an den Hinterhof zu begrünen, schleppte Erde und bepflanzte alles, was eine Pflanze aufnehmen konnte. Ich fühlte mich irgendwie verpflichtet, aber das geschah auch aus Dankbarkeit. Ich war also in der Stadt der Marlene Dietrich angekommen. In diese Stadt wollte ich mich einbringen. Das Andenken an Marlene Dietrich mit meinen Shows, und andere Kulturgüter bewahren helfen. Ich setze mich ein, für Umwelt und Natur. Ich war auch sehr glücklich darüber, dass ich in der Maske der Marlene Dietrich bei ihrer Sternverleihung am Boulevard der Stars am Potsdamer Platz dabei sein durfte. Die rchtige Eröffnung wird dann am 10.09.2010 sein und ich freue mich schon sehr darauf.

Da ich nun auch mehr Zeit und Platz habe, konnte ich auch einem Kater ein neuse Zuhause geben und er ist jetzt schon 4 Jahre bei mir und ein echter Schatz und die ollen Goldfische sind noch immer bei mir. Ich freue mich, dass die tierlieben Berliner immer weniger Tierpelze kaufen und ich setze mich weiter dafür ein, dass Berlin tierpelzfrei wird und ich konnte schon viele Menschen davon überzeugen.
Wenn Berlin auch einen fleischlosen Tag einführen würde, wie Bremen, wäre das auch eine große Freude. In meinem kleinen Garten habe ich eine Vogelvilla gebaut, wo die Vögel immer Futter und frisches Wasser finden. Denn was wäre Berlin ohne den Sperling? Wie Marlene schon sang: Frühling kommt, der Sperling piept, Duft in Blütenkelchen.
Ich besitze sogar etwas, von Marlene Dietrich, was ich wie einen Schatz hüte.

Ich glaube, man kann ewig in Berlin leben und trotzdem immer wieder neue Fleckchen zu entdecken und auch Herausforderungen für sich selbst finden. Eine einzigartige Stadt mit einzigartigen Menschen. Da auch Goldfische nur ein begrenztes Leben haben, sagte ich mal im Scherz. Wenn alle Kölner Golfische durch Berliner ersetzt sind, bin ich Berlinerin...
Ein Kölner Goldfisch lebt aber noch immer.

Heute weiss ich: Ich war vom ersten Tag hier Berliner... Danke du schöne ewig junge Stadt. Und ich freue mich wenn wir noch viel tun können.

 

Hier gehts zum Profil von MarleneBerlin.

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