Im Jahre 1988 übergab die Erbin Katharina Brandt dem „In- stitut für Kulturbauten“ der DDR den Nachlass ihrer Familie, einer Bühnentechnikerdynastie von europäischem Rang, mit unschätzbaren Originalen aus der Historie der deut- schen Theatertechnik, Theaterarchitektur und Szenografie zur uneingeschränkten Nutzung und wissenschaftlichen Aufarbeitung.
Durch die Wirren der Wendezeit geriet dieser „Schatz“ bei- nahe in Vergessenheit, das Institut wurde aufgelöst. Mitarbeiter dieses Instituts fanden eine neue Heimstatt im „Förderverein zum Erhalt historischer Theatertechnik und Theaterarchitektur e.V.“, allen voran der Vereinsvorsitzende Gerhard Döring.
Dieser Nachlass enthält Originale aus den Jahren 1864-1914. Darunter Pläne von Semper, Entwürfe für die Bayreuther Festspiele und Theaterbauten quer durch Europa bis hin nach Tokio. Weit über 600 Einzelblätter.
Der Gründer, der Dynastie, Elias Friedrich Brandt (1800-1878) stand als Tapezierer und Dekorateur im Dienste des Hofthe- aters Mannheim. Seine vier Söhne ergriffen allesamt den Beruf des Bühnentechnikers. Unter ihnen sind insbesonde- re die Halbbrüder Karl und Fritz hervorzuheben. Karl Brandt, der ältere, lernte seinen Bruder an und dieser gelangte zu eigenständigem Ruhm.
Beide traten mit bahnbrechenden Erfindungen gerade auch in Hinsicht auf szenische Effekte und Neuerungen her- vor. Sie verstanden es, die fortschreitende Industriealisie- rung für das Theater nutzbar zu machen und schufen nicht nur ganz neue Möglichkeiten für die Bühnentechnik im All- gemeinen, sondern auch für die Szenografie im Speziellen. Richard Wagner bezog sie in die Umsetzung seiner Werke ein und auch Ludwig II. liess Fritz Brandt an der Einrichtung seiner Königsschlösser mitwirken.
Der uns heute geläufige, eigenständige Beruf des Bühnen- bildners, existierte im 19.Jahrhundert in dieser Form noch nicht. Die Szenografien wurden auch von Architekten und/ oder Bühnentechnikern entworfen und umgesetzt. Bildende Künstler lieferten Vorlagen, malten Prospekte. Neben einer tendenziell sehr realistischen Umsetzung der Handlungsor- te waren Effekte jedoch immer von grossem Interesse. Von Lichtstimmungen über Fabelwesen bis hin zu Vulkanausbrü- chen.
Die Brandts lösten diese Problemstellungen so meisterlich, dass ihr Ruhm sie weit über die Grenzen Deutschland hinaus führte.
Erste Eindrücke dieses als Sensation zu wertenden Nachlasses können Sie in der Ausstellung "Faszination der Bühne" sehen.
KulturRaum Zwingli-Kirche, Berlin Friedrichshain
tgl. ausser montags 11-19 Uhr
€5, ermäßigt €2

















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