Wer das Gefühl von Fernweh nicht kennt, ist zu bedauern. Manche sagen, es ist zu vergleichen mit der Liebe: "Die Liebe vergeht nie ganz - sie macht nur manchmal Pause". So ist das bei mir mit dem Fernweh. In regelmäßigen Abständen, jedoch mindestens alle zwei Monate, überkommt mich das Gefühl "das ich mal weg muss". Was dann folgt ist schon fast ein Ritual. Im Internet wird entweder auf GoogleMaps geschaut wo es hingehen könnte, oder man durchforstet gedanklich seinen Freundeskreis nach Freunden, welche beispielsweise in London, Zürich oder auf Teneriffa leben. Mit Letzterem schlägt man dann zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen freuen sich die Freunde über kleine Mitbringsel aus der Heimat, zum anderen spart man viel Geld da man ja nicht ins Hotel oder auf den Campingplatz muss.
Mir als Berliner eröffnen sich dann zwei Möglichkeiten, die Stadt mit dem Flugzeug zu verlassen. Das Flugzeug ist unerlässlich, denn wer will sich schon mit dem Auto oder mit der Bahn, zumal noch ohne Bahncard, auf den Weg nach Zürich, London oder Teneriffa machen? Ausserdem gibt es ja nur an Flughäfen dieses einnehmende Gefühl dass es jetzt gleich losgeht, welches man auf Fernbahnhöfen oder auf Autobahnraststätten nicht vorfindet. Ich zumindest nicht.
Also Tegel oder Schönefeld? Die Nostalgie der Luftfahrt ist in Berlin ja seit der Schliessung von Tempelhof nicht mehr anzutreffen, aber das ist ein anderes Thema, ein Politikum! Ich bevorzuge den Flughafen Berlin-Tegel, oder auch Otto-Lilienthal, kurz TXL. Ich gebe es ja zu, Tegel ist veraltet, klein, ja beinahe provinziell, aber mal ehrlich: an welchem anderen Flughafen einer Großstadt braucht man vom Taxi zum Check-In weniger als 30 Sekunden? Keine Belehrungen bitte, die Duty-Free-Shops sind eine Katastrophe, ebenso der Burger King und auch das Leysieffer, wo der Espresso €3,- kostet und wo man sowieso nie einen Platz bekommt, es sei denn der Flieger geht morgens um Punkt 6:00 Uhr nach Palma de Mallorca, Airbus A320, Flugnummer AB9172. Aber dies alles hat halt seinen Charme, und der Mensch ist ein Gewohnheitstier.
Ich fliege also nach Zürich, oder ZRH. Abflug am Freitag um 19:55 Uhr mit Flug LX979. Die Vorfreude war bereits 14 Tage vor Abflug allgegenwärtig, und das obwohl Fliegen heutzutage so selbstverständlich ist wie Busfahren oder Einkaufen. Der Tag der Reise ist der schönste. Morgens habe ich schon Hummeln im Hintern, mögen doch bloß die Stunden schnell vergehen! Das Taxi ist schon bestellt, denn der Flug war preiswerter als gedacht. Alles am Mann? Natürlich habe ich schon eingecheckt, online, Sitz 7A, kurz vor dem Flügel auf der linken Seite. Das Taxi ist da. Was für eine Gurke, ein alter Volvo. Aber der Chauffeur ist nett, auch wenn mich sein Genörgel über den rot-roten Senat nicht interessiert. Schneller als gedacht sind wir in Tegel, €18,50 plus Trinkgeld, ein Schnäppchen, denn in München zahlt man vom Stachus zum Flughafen €60,-!
Ich habe noch Zeit um auf eine Zigarettenlänge ein bisschen Kerosin zu schnuppern und dem Heulen der Triebwerke zu lauschen. Und dann folgen die schon legendären 30 Sekunden zum Gate.














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