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Flagge zeigen. Ja oder nein?
Foto: arne.list, Quelle Lizenz: Creative Commons (cc)

Flagge zeigen. Ja oder nein?

von Elke

So, jetzt ist es also wieder vorbei. Die WM 2010 ist seit  dem 11. Juli 2010 mit Abpfiff des letzten Spiels beendet. Vorbei sind all das Rumgegröle und Getröte auf den Straßen, dass Anstehen beim Public Viewing und das Hetzen dorthin zur Sitzplatzsicherung. Keine überfüllten Straßen vor dem Spiel und keine trügerische Stille während des Spiels. Kein Freudentaumel, keine Tränen und auch keine Wutanfälle bei ungerechten Schiris. Aber vor allem auch: Keine Kleidung in schwarz-rot-gold, kaum noch Fussballtrikots und kein Schwenken der Nationalflagge. Obwohl, vereinzelt habe ich sie noch an Autos und Häusern blitzen sehen…

Flagge zeigen oder nicht?

Gerade die Flaggenfrage erhitzt die Gemüter. Für die einen ein Zeichen der Solidarität mit der eigenen Mannschaft, für andere Ikone ihres fehlgeleiteten Nationalstolzes und für dritte aufgrund der letztgenannten und der deutschen Geschichte ein absoluter Fehltritt. Die Frage, ob man nicht auch anders die Unterstützung der deutschen Mannschaft signalisieren kann, ist berechtigt. Andererseits nimmt die Jagd auf deutsche Fahnen während der WM interessante Ausmaße an. So wurden vor allem in Kreuzberg und Neukölln immer wieder Flaggen von Autos und Fenstern gerissen und zerschnitten, wie etwa bei Bassal’s Elektro-Shop in Neukölln. Der Inhaber Ibrahim Bassal wurde, nachdem er mit Freunden eine riesige Deutschlandfahne, die fast vom fünften Stock bis zum Parterre reichte, entrollt hatte, dazu aufgefordert, diese abzuhängen. Er würde damit nur den Nationalismus fördern und Nazigefühle in den Deutschen wecken. Etwas, das Ibrahim Bassal überhaupt nicht nachvollziehen kann. Für ihn, der seit Jahrzehnten in Deutschland lebt und dessen Kinder in Berlin geboren sind, ist es selbstverständlich, während der WM zu Deutschland zu halten und dies visuell zu markieren, ergo Flagge zu zeigen.

Identitätstiftendes Merkmal oder nationalistisches Symbol?

Nichtsdestotrotz, ein schaler Nachgeschmack bleibt, vor allem wenn die deutsche Flagge auch außerhalb internationaler Sportveranstaltungen gehisst wird. Das ist seit der WM 2006 meines Erachtens immer häufiger der Fall wie zuletzt beim Eurovision Song Contest 2010. Stimmt also die Behauptung, gehisste Flaggen förderten den Nationalismus der Deutschen? Oder wird hier gar durch die Zerstörung von Flaggen in Bezirken mit einem hohen Anteil einer ausländischen (man möge mir hier an dieser Stelle das Wort verzeihen) Bevölkerung, eine Identifikation und Integration be- und sogar verhindert? Ist denn die Begeisterung für Fußball unausweichlich mit dem Tragen nationaler Symbole verbunden? Bedeutet „Flagge zeigen“ gleichzeitig ein Vergessen der deutschen Geschichte?
Ich persönlich kann außerhalb der WM und den Spielen der deutschen Nationalmannschaft recht wenig damit anfangen. Eigentlich rein gar nichts. Und auch während der WM bekomme ich bei einer bestimmten Klientel gekleidet in schwarz-rot-gold Kopfschmerzen. So bekommt die Flagge innerhalb eines bestimmten Kontexts eine mehr als unheilvolle, bedeutungsschwangere Symbolik. Doch heißt das weiterführend, dass ich immer einen Beipackzettel dabei haben muss, um mich und meine Gründe zu erklären? Schließlich wollen die wenigsten mit rechten Vollpfosten auf eine Stufe gestellt werden. Ich zumindest nicht.

Noch mehr würde mich aber interessieren, was ihr darüber denkt? Flagge ja oder nein?

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