Und noch eine Ausstellung zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Abkommens mit der Türkei. Diesmal an einem Ort mit symbolischer Bedeutung: Mitten in Mitte, im Schlüterhof des Historischen Museums. Im Jahr 1961 wurde nicht nur die Mauer in Berlin hochgezogen, sondern auch der Versuch unternommen, den (dadurch vermeintlich entstehenden) Arbeitskräftemangel in der BRD durch Anwerbung türkischer Männer zu kompensieren. Ob ein solcher Zusammenhang wirklich hergestellt werden kann, darüber streiten sich noch die Historiker.
Die Ausstellung „ Geteilte Heimat – Paylaşılan Yurt“ gibt darüber keine Auskunft. Das „Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V. (DOMID)“ unternimmt den Versuch, mit Versatzstücken eine chronologische Übersicht der 50 Jahre zu zeigen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen 50 Vitrinen, stellvertretend für 50 Jahre gemeinsamer Geschichte. Dokumente, Fotos und Gegenstände, die größtenteils aus Privatbesitz stammen, beleuchten die Migration aus der Türkei nach Deutschland von 1961 bis heute. Themen sind die erste Arbeit in Deutschland, der Lebensalltag der Zweiten und Dritten Generation, die Probleme der politischen Flüchtlinge genauso wie die Vielfältigkeit der Zuwanderung auch in ihren religiösen und kulturellen Dimensionen.
Sehenswert und beeindruckend sind die lebensgroßen „3-Generationen-Porträts“ des Kölner Fotografen Guenay Ulutuncok. Sie zeigen Großeltern, Eltern und Kinder jeweils im Kontext ihrer Arbeits- oder Bildungsstätten. Die abgebildeten Familien leben bereits in der dritten Generation in Deutschland. (Keine der Frauen auf den Fotos trägt ein Kopftuch. Das fällt mir auf.)
Ein halbes Jahrhundert Einwanderung aus der Türkei ist ein Teil der deutschen Geschichte. Endlich wird dieses Kapitel ins Bewusstsein der Museumsbesucher geholt. Ein zaghafter Versuch in einem überdimensionierten Rahmen, nur zwei Wochen zur Probe. Immerhin ein erster Schritt auf dem Weg zu einem echten Forschungsthema für Historiker in einem richtigen Museum.
„Geteilte Heimat“. Wer teilt hier seine Heimat? Die Frage lässt mehr als eine Antwort zu. Die türkische Übersetzung engt den Blick ein. Wer teilt mit wem? Die Ausstellungsmacher leben in Nordrhein-Westfalen. Hätten die Berliner das Thema anders aufbereitet? Es würde mich schon interessieren, was dem einen oder anderen Besucher auffällt. Der Besuch lohnt sich. Der Eintritt ist frei.
31. Oktober bis 14. November 2011 im DHM, Unter den Linden 2, Zeughaus
http://www.50jahre-migration-tuerkei.de/geplante-projekte/domid-ausstellungen/berlin.html


















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