Vor 200 Jahren erschießt Heinrich von Kleist (34) seine Freundin Henriette Vogel (31) und dann sich selbst am Kleinen Wannsee. Warum? Es gibt keine eindeutige Antwort. Er war nicht krank. Es war auch kein Liebeskummer. All die Erklärungsversuche in den vergangenen Epochen greifen nicht wirklich. Wechselnde Gründe je nach Zeitgeist.
Nun versuchen die Ausstellungsmacher im Ephraim Palais in Berliner und im Kleist-Museum in Frankfurt (Oder) eine neuerliche Deutung. Kleist spricht in erfundenen Bühnenbildern über sein Leben und seinen Tod.
Die Ausstellung „Kleist: Krise und Experiment“ findet am Schluss in der Rekonstruktion des gemeinsamen Freitodes eine heitere Note. Der deutsche Dichter befindet sich in vermeintlich guter Gesellschaft mit anderen Künstlern, die sich das Leben genommen haben. Die Kuratoren kommen in dem letzten Denkraum zu der verblüffenden Aussage: „Erst in der Moderne geht Kleists „Ökonomie des Opfers“ auf: Sein spektakulärer Freitod brennt sich ins Gedächtnis ein und hält die Erinnerungen an sein Werk lebendig.“
Diese Interpretation bekommt sogar in diesen Tagen aktuelle Brisanz, denn bis zum heutigen Tag streiten Politiker und Bürokraten über eine angemessene Grabanlage am Kleinen Wannsee. Die Krisen, die der Querdenker Kleist literarisch beschrieben hat, zeigen auch jetzt noch ihre Wirkung, nur „fortschrittlicher“.
Erstaunlich, wie die Kuratoren mit den wenigen Exponaten Kleists Leben, Werk und Persönlichkeit emotional erlebbar inszenieren. Den Besucher erwartet nicht nur ein Déjà-vu-Erlebnis als Bildungsbürger, der „seinen Kleist“ als Erstausgabe in beleuchteten Vitrinen bestaunen kann, sondern er kann Kleists Krisen und Experimente in modernen Gegenüberstellungen erkennen und nachvollziehen:
z.B. - Kindersoldaten und Kriegspiele gab es schon um 1800.
- Die Figur Michael Kohlhaas lebt unter uns.
In assoziativen Bildern erschrecken wir, wie aus anfänglicher Rechthaberei langsam Rebellion, Fanatismus und Terror werden. Kleists Michael Kohlhaas bietet immer neue Vorlagen für unseren Alltag. „ Es hat noch nie so viele Menschen gegeben, die dem Michael Kohlhaas verwandt sind, …“ (Zitat Ende)
Die Ausstellung in Berlin ist ein geglücktes Experiment zum 200. Todestag des deutschen Klassikers Heinrich von Kleist. Besucher sollten unbedingt mit dem „Kleist-Phone“ (sprich Audio Guide) durch die Räume gehen. Der Dichter spricht selbst zum Publikum.
Kleist: Krise und Experiment
Vom 21.5.11 bis 29.1.12
Eine Doppelausstellung im Ephraim-Palais, Stadtmuseum Berlin und im Kleist-Museum Frankfurt (Oder)
http://www.stadtmuseum.de/index3.php?museum=ep&id=411
Viele Hinweise und Veranstaltungen auf dem H.v.Kleist-Portal 2011
http://www.heinrich-von-kleist.org/
Berlin | Ephraim Palais | 21.05.2011 – 29.01.2012
Frankfurt (Oder) | Kleist-Museum | 22.05.2011 – 29.01.2012
















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