I Am Love Reiche Familien haben es so an sich, dass man ihnen das Wenigste gönnt. Unmöglich, dass der Reichtum nicht wenigstens schmutzig erworben wurde, und wenn schon das nicht der Fall ist, so muss er doch mindestens einhergehen mit dem charakterlichen Verfall, dem Ausverkauf der Gefühle, dem Unglück des Einzelnen, der sich unter die strengen Gesetze von Profit und Erhalt beugen muss. Wenn es sich dabei dann auch noch um eine italienische Großfamilie handelt, ist Der Pate nicht weit. Diese Mischung aus einer Art mafiosem Nachklang (auch im Sinne der Unterdrückung persönlicher Interessen des Individuums zum Erhalt des familiären Gefüges) einerseits und eben jenem Klischee der emotionalen Kälte, die angeblich die geldbegleitete Gemeinschaft prägt, schafft die Grundstimmung für das nun in die Kinos kommende Liebesdrama I Am Love.
Tilda Swinton spielt mit äußerlicher Zerbrechlichkeit und großer Präsenz Emma, die russische Ehefrau eines reichen Sohnes italienischer Modedynastie, die in ihrer Ehe keine Erfüllung mehr findet und sich darum nur zu gern in die sinnlichen Freuden fallen lässt, die ihr der jüngere Koch, seinerseits Angestellter im Restaurant ihres Sohnes, zu bieten hat. Bildgewaltig und von großer Schönheit soll der Film sein, wenn auch die Geschichte mit ihren vermutbaren Konterparts auf den ersten Blick etwas psychologisiert und absehbar erscheint. Hier der des Geldes und der Verantwortung wegen gestrenge Ehemann und die Selbstkontrolle um der Familienehre wegen, da das Laisser Faire des jungen, ungebundenen Gaumenkönigs, der die elegante Gattin aus dem goldenen Käfig befreit, mit dem man unter freiem Himmel den zweiten, dritten oder vierten Frühling haben kann. Da Tilda Swinton selbst 7 Jahre in gemeinsamer Arbeit mit Regisseur Luca Guadagnino am Drehbuch gesessen haben soll, darf man aber vermuten, dass ihre Rolle mehr zu bieten hat, als die Konstellation fürs Erste in Aussicht stellt.
I Am Love, ab 28.10.2010 im Kino
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