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Kommt jetzt das Stadtschloss oder kommt es nicht?

Von anja_f

   Kommt jetzt das Stadtschloss oder kommt es nicht?
Foto: IK's World Trip, Quelle Lizenz: Creative Commons
  

Kommt nun das Stadtschloss oder kommt es nicht? Unterschiedliches hört man dieser Tage von den Verantwortlichen in der Politik, neuster Stand (10.06.2010, 17:45): Ja, das Stadtschloss soll kommen, aber nicht sofort, sondern 2014. Was immerhin genug Zeit lässt, das Ganze noch ein paar Mal hin und her zu verschieben, denn wer weiß schon, in was für weltwirtschaftliche Krisen wir bis dahin geschliddert sind?

Wolfgang Thierse, Bundestagsvizepräsident und lange schon leidenschaftlicher Verfechter des Schlosses, nimmt die aktuelle Debatte zum Anlass, sich standesgerecht in der Welt über die Verschiebung des Vorhabens zu empören, die jüngst seitens der Bundesregierung beschlossen wurde. Die Entscheidung zur Verschiebung des Baubeginns tue weh – "all denen, die das Faszinierende dieses Vorhabens begriffen haben". Weiter schreibt Herr Thierse, das Ganze sei eben nicht ein "Luxusprojekt", wie die Ablehner der Fassade meinten, vielmehr "soll die grandiose Idee der Gebrüder Humboldt vollendet werden: Nachdem auf der Museumsinsel das Ganze der europäischen Kultur gesammelt und dargestellt ist, soll in der Mitte der deutschen Hauptstadt die außereuropäische Kultur präsentiert und so ein Dialog der Weltkulturen ermöglicht und inszeniert werden."

Schön klingt das, doch weshalb zu diesem Zweck das verschwundene Stadtschloss samt originalgetreuer Fassade nachgebaut werden muss, das erklärt Herr Thierse nicht. Und ob der Dialog mit anderen Kulturen am Kottbusser Tor nicht viel eher stattfindet?

Die Berliner haben indessen die Grasfläche, auf der das Stadtschloss entstehen soll, als Liegefläche entdeckt. Was bei den Temperaturen, die jetzt herrschen, das einzig Vernünftige ist. Vermutlich hätten die meisten von Ihnen nichts einzuwenden, würde der Rasen zu einer permanenten Einrichtung und das Stadt- zum Luftschloss erklärt. Bis 2014 ist jetzt jedenfalls erst einmal Ruhe. Und wenn 2014 die nächste Weltwirtschaftskrise über uns hineingebrochen ist, kann die Regierung immer noch ein Parkhaus dort hinsetzen und sich ein paar Euro dazu verdienen.

Autor: anja_f 10. Juni 2010 - 18:18

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  Kommentare  

von: odebo - 11.06.2010 - 10:13

Das Stadtschloss stand in der Mitte Berlins. Die Ost-West-Achse läuft genau auf diesen Ort zu. Die Frage lautet also: Was ist künftig die Mitte bzw. das Zentrum Berlins, der Hauptstadt? Der Wiederaufbau geht architektonisch dieser Frage aus dem Weg. Inhaltlich vermeidet die Präsentation außereuropäischer Kultur(en) ebenfalls die Auseinandersetzung mit der Frage nach der Mitte (oder dem Zentrum) unserer Stadt, unserer Welt. Das Schloss als Machtzentrum jedenfalls ist es nicht mehr. Mögliche Antworten: Die Brache - eine ehrliche Antwort in einer Zeit, die ihre Mitte sucht. Ein Altersheim - die visionäre Antwort in einer Welt, die Werte zu verlieren droht. Ein Kernkraftwerk - die politische Antithese zur gängigen Verschiebung unbequemer Fragen an die Peripherie

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"Dieses Pfandflaschenbusiness macht mir wirklich Eindruck. Am Anfang haben sie fünf Plastiktüten und am Ende ein Fahrrad mit Anhänger. So entstehen aus Armutsverhältnissen total ehrgeizige, selbstständige Unternehmen, und das fördert niemand."