Ach nö! Entgegen meiner Ankündigung hab ich mich dann von einem meiner intellektuellen Freunde überreden lassen, das England-Spiel nicht in Kreuzberg, sondern in Mitte anzusehen. Was ein Fehler! Das Drama fing schon an, als wir gegen viertel nach drei die Torstraße auf der Suche nach irgendeiner Fussi-Leinwand entlang schlenderten. Fehlanzeige! 45 Minuten vor Anstoß war die Torstraße genauso wenig belebt wie das englische Spiel eine Dreiviertelstunde später. Einzig im „Muschi Obermaier“ gab es zwar eine Leinwand, aber – kein Scherz – nicht eine einzige Menschenseele davor. Immerhin gab's dann einen Laden am Weinbergpark, in dem sich ein paar Fußballfreiwillige bei Kaffee und Kuchen das Spiel zu Gemüte geführt haben. Die Stimmung war mäßig, aber was soll's.
Der eigentliche Skandal kam hinterher, als die Deutschen die Engländer 4:1 vom Platz gefegt hatten. Was war? Nichts war! Kein Jubell, keine Hupkonzerte, kein Vuvuzela-Getröte. Nichts! Nur ein paar Semi-Erwachsene, die nachdenklich an ihrem Kristallweizenrest genippt haben.
Ich hab ja nichts gegen Mitte. Mitte ist schön. Es gibt gute Galerien in Mitte. Und die Staatsoper. Ich hatte auch mal einen Freund, der in Mitte gewohnt hat, und der war in Ordnung, wirklich. Aber bitte, Mitte: Ist das alles, was ihr zu bieten habt? Oder haben wir irgendeinen Geheimort übersehen, an dem sich das Fußballvolk von Mitte versammelt hat?
Jedenfalls, wer's nicht glaubt: Hier der Beweis.












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