Bierbike Berlin. Wer als Berliner unterwegs sein will, hat schon mit einigen Strapazen zu kämpfen. Der innerstädtische Verkehr funktioniert zwar im Vergleich zu Städten wie Istanbul oder Tel Aviv reibungslos, und die charmante Angewohnheit der Berliner, alle Straßen zu überqueren, sobald sich eine Schneise ergibt, zeugt auch nur von gesteigerter Intelligenz. An manchen Knotenpunkten der Stadt wie etwa am Checkpoint Charlie und rund um die Oranienstraße wird allerdings die Autofahreraufmerksamkeit auf die Probe gestellt. Wo es früher nur galt, wild dahinstreunende und fotografierende Touristen nicht von der Gehsteigkante zu fegen oder die minütlichen Gruppenfotos um eine Windschutzscheibe oder ein Hinterrad zu ergänzen, kommt eine neue Herausforderung hinzu: das Bierbike. Nun hört man tagsüber und gerade während der WM junge, betrunkene Menschen mit Koordinationsschwierigkeiten, die sich in minderer Rasanz selbst feiern. Man kann unterschiedlicher Meinung darüber sein, ob die zusätzliche Bewegung der durch Hitze und Alkohol (der Bierbike-Codex sagt: 10 Liter pro Stunde müssen reichen!) verursachten Trunkenheit zuträglich ist, und ob das Gruppenerlebnis, mit bis zu 16 Personen an einem Tisch sitzend durch eine Stadt zu fahren nicht eigentlich ein geniales Konzept ist. Leicht zu orten sind die Betrunkenen jedenfalls allemal. Gröhlende Gruppen auf überdachten, thekenbeleuchteten Wägen mit Anfahrtsschwierigkeiten an Kreuzungen und Ampeln, gefolgt von genervten, hupenden Berlinern: wie ein echter Umzug schlängeln sich Junggesellenabschiede und ihre Verfolger durch den Stadtkern. Was für ein Glück, immerhin der Fahrer ist nüchtern und bemüht sich um die Einhaltung des Wildpinkelei-Verbots. Bereits 35 andere Städte bekommen schon Besuch von trinkenden Fahrradfahrern, unter anderem auch Belgrad (!) und Budapest.
Einen Vorteil hat das Bierbike. Berliner, die früher unter den unter ihren Fenstern campierenden Betrunkenen zu leiden hatten, wissen bereits von Weitem: auch diese Laola wird vorüber ziehen.
Copyright Foto: cyrildoussin, http://www.flickr.com/photos/kimandcyril/4571737179














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