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Notes of Berlin
Foto: Joab Nist

Notes of Berlin

Joab Nist schreibt einen Blog über Nachrichten, die Menschen einander in der Stadt hinterlassen. Wir haben ihn gefragt, warum er das macht.

 
Du fotografierst Nachrichten, die Menschen mitten in der Stadt an alle Anderen richten. Was interessiert Dich daran?
 
Die Idee kam mir bereits 2004 als ich fest nach Berlin gezogen bin. Ich komme ursprünglich aus München und war da nicht so verwöhnt was ausgefallene "Notizen im öffentlichen Stadtbild" betrifft. Ich war überwältigt von der Kreativität, vom Einfallsreichtum, aber auch von der Absurdität vieler Notizen die man hier entdecken konnte. Und bin es bis heute noch. 
Berlin hat eine ganz eigene Art und Weise, wie seine Bewohner miteinander kommunizieren. Oft sehr direkt, durchaus mal wahnsinnig naiv, aber auch romantisch, verspielt, unsinnig, planlos, unbedacht und eben, wenn man genauer hinsieht, oft sehr einzigartig. Ich finde, das bestimmte Notizen den Charakter der Stadt wunderbar widerspiegeln. Berlin ist eben eine Stadt der Suchenden, der Kreativen, der Queerdenker, der Müßiggänger, der Glücksritter und vieles mehr... man kann das schwer in Worte fassen. Wer einmal in Berlin länger als ein Partywochenende war, der weiß vielleicht nicht genau was es ist, was ihn anzieht, aber er weiß, dass ihn etwas anzieht. NOTES OF BERLIN versucht jene NOTES zu dokumentieren, sie einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, daraus eine Ausstellung und vielleicht auch ein Buch entstehen zu lassen. 
 
Gibt es solche Nachrichten nicht auch in anderen Städten?
 
Ja, schon, aber die Vielfalt in Berlin sucht meines Erachtens seinesgleichen. Auch international. Und man bedenke: Es gibt Zeitungen, Zeitschriften, Radio, Fernsehen und seit Jahren das Internet, also alles Plattformen, wo sich der Stadtbürger mitteilen kann. Und dennoch gibt es weiterhin diese NOTES, und ich glaube Sie werden auch niemals aus dem Stadtbild verschwinden. Im Gegenteil: In den letzten Jahren haben Sie zugenommen. Diese Art der Kommunikation ist einfach bzw. zügig umzusetzen, sie ist direkt bzw. kommt man seiner gewünschten Zielgruppe ziemlich nah, sie kostet nichts (außer ein bisschen Zeit) und man ist sein eigener Art Director, zumindest kann man dem Ganzen seine persönliche NOTE verleihen.
 
Wie arbeitest Du?
 
Man lernt aus Fehlern. Zu Beginn meiner Berlinzeit habe ich mir einfach immer auf einen Zettel jene Stellen notiert, an denen ich schöne Notes gesichtet habe. Diese wollte ich dann ein paar Tage später mit dem Fahrrad abfahren und abfotografieren. Oft waren dann aber die Notes schon wieder weg, oder plötzlich von einem Baugerüst umgeben, oder es hatte geregnet etc. Ich hab mir dann eine kleine Digitalkamera zugelegt und die habe ich seitdem immer dabei. Aber ich mache ja nicht nur Fotos von den NOTES, sondern nehme Sie gelegentlich auch mit. Sofern möglich, versuche ich darauf zu achten, das ich dann nicht nur das Original bzw. die einzige Fassung der Notiz entwende. Denn manche NOTES sind ja nicht unwichtig (bei "Johanna!" z.B. hatte ich so meine Bedenken, ob ich da jetzt eventuell die Chance auf eine zauberhafte Liebesbeziehung zunichte mache, dann hab ich aber gesehen, das der Zettel an mehreren Laternen hing und diesen einen mitgenommen. Ich gucke auch immer auf das Datum einer Note, d.h. wenn ich sehe, dass diese erst seit kurzem hängt und der Hinweis auf ein persönliches Drama rückschließen lässt (z.B. Hund entlaufen, Fahrrad gestohlen), mache ich lieber nur ein Foto und lass alles hängen. Die Zettel scanne ich dann ein und poste sie. 
 
Generell: eine NOTE of Berlin muss nicht zwangsweise immer etwas Geschriebenes sein. Ich hab mal ein Foto von einem Obdachlosen vorm "An einem Sonntag im August" gemacht. Er trank betrübt aus seiner Bierflasche, im Hintergrund sah man ein Pärchen das sich mit Café Latte zuprostete. Poste ich mal demnächst. Manchmal bekomme ich auch ein Tipp von Freunden, dem ich dann sprichwörtlich nachgehe. Ich sehe das ganze als Gemeinschaftsblog, d.h. jeder kann solche Notes entdecken, mir dann zusenden (per Mail oder per Post) und ich poste sie in seinem Namen. 
 
Die besten Notes hängen nicht immer an den größten Kreuzungen! Mann muss schon genau hingucken, eben auch mal in einen Hausflur, hinter einen Baum oder neben eine Telefonzelle. Auch wenn es viele tolle Notes da draußen gibt, ich finde oft tagelang nicht eine, die mir gefällt bzw. die ich posten möchte. Also, please join me!
 
Erzähl kurz von Deinem Background
 
Ich bin 27 und 2004 von München nach Berlin gekommen. Wegen Berlin. Nicht wegen einem Studium oder einem Job. Vielleicht waren es ja auch unterbewusst ein kleinwenig die Notes die mich hergezogen haben. Mittlerweile habe ich einen Bachelor in Kulturwissenschaften hinter mir und einen Master in "Arts & Media Administration" an der FU-Berlin vor mir. Ich mache außerdem noch Fotos und auf meinem Schreibtisch und in meiner Birne liegen etliche Sachen herum, die umgesetzt werden wollen. Berlin ist leider ein ungünstiger Ort um abzuschalten. Dafür aber ein guter Platz um Notes zu sammeln.
 

Fotos

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Kommentare

Gast (nicht überprüft) - 07.05.2011 - 21:54
nicht mehr ;)
Gast (nicht überprüft) - 01.05.2011 - 23:53
und ist single!
Gast (nicht überprüft) - 21.10.2010 - 17:00
der typ sieht gut aus

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