Ich gebe zu: In Sachen WM bin ich ein absoluter Spätzünder. Meine Skepsis, hat mich bisher daran gehindert, in den allgemeinen Freudentaumel einzufallen, in der Wir-Form zu sprechen und mich dreifarbig zu kleiden, oder mir das Gesicht zu beschmieren, wenn ich vor dem Fernseher sitze. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur zu spät angefangen, mich von der allgemeinen Begeisterung mitreißen zu lassen und hatte das Pech, dass die Spiele, die ich zu Anfang gesehen habe, einander an Langeweile überboten haben und ich daraufhin die guten nicht mehr angesehen habe. Gestern jedenfalls war es so weit: Ich wurde aufs Heftigste angesteckt und habe meine Journalistenpflicht sträflich vernachlässigt, stattdessen lieber gebannt vor der Leinwand des Rissani gesessen, für 2 Euro Schawarma mit Kartoffeln und superknackigem Hähnchen gegessen und mich dem zeitversetzten Jubel der umgebenden Public Viewing-Plätze hingegeben. Was für ein Spiel! Zur Halbzeit waren die Damentoiletten völlig überfüllt, und die Wand der Herrentoilette war ohnehin ein gutes Ergänzungsprogramm mit ihrer Information zu allgemeinen deutschen Spezialitäten: "Nazis und Anti-Deutsche". Mit dieser Information also zurück zum Spiel. Auf den Bänken und mittlerweile auch Tischen des Restaurants, wo man alles bis zu einem Maximalpreis von 7,50 essen und frische Säfte für 2,50 trinken kann, hatten sich bereits all jene Platz gesucht, die durch das Kopfvolumen ihrer Vordermänner behindert wurden (ich finde ja, die Großen gehören wie auf den Klassenfotos nach hinten, aber da lassen wohl die wenigsten mit sich reden...), und es wurden arabische Süßigkeiten und Foul gegessen (das geht hier, ja), und kleine Kinder tanzten zum Vuvuzela-Getröte. Die Leinwand war ein wenig weißlich und die wenigen argentinischen Fans in unseren Reihen fielen bei den deutschen Toren in ein widerwilliges Klatschen ein und beschwerten sich über die Hitze. Bei 37 Grad war man hier im Schatten unter der Markise aber noch besser aufgehoben als im angrenzenden Biergarten, wo die Sonne ganz ordentlich auf rot-schwarz-gelbe Hüte knallte (und alle, die das Spiel mit ihren Kindern sehen wollten einen Spielplatz mit Fernseher fanden). Am Ende war die Versammlung satt und glücklich, und eine kleine geräuschvolle Schadenfreude begleitete die Bilder der argentinischen Fans, die sich enttäuscht in ihren blauen Plastikfinger beißen.
Für alle die gut essen und in angenehmer Atmosphäre, aber wenig überfüllt das Spiel sehen, ein bisschen Schwarztee trinken und trotzdem einen geballten Jubel mitbekommen wollen, ist dieses kleine Restaurant am Görlitzer Park nur zu empfehlen. Und an allen WM-freien Tagen ohnehin.













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