Ironisch distanziert wirken die meisten der ausgestellten Fotos auf mich. Thomas Höpker spricht selbst davon, dass seine Bilder nicht polarisieren wollten:
„Wir fanden auch sympathische Seiten in der DDR“. Und so kommen viele seiner Aufnahmen irgendwie putzig daher, wenn ich diese heute (2011) anschaue. Die kleinen Straßenläden im Ortsteil Prenzlauer Berg zeigen in den Jahren 1972-1974 bescheidene Auslagen: Obst- und Gemüsegläser, Besen, Bürsten und Rasierpinsel, ein Uhrenfachgeschäft ohne Uhren, 1. Mai-Plakate und DDR-Fähnchen, wenn eine alte Beinprothese für ein Orthopädie-Fachgeschäft wirbt. Die obligatorische Banane im Einkaufsnetz ist auch zu sehen.
Viele der Bilder vermitteln heute den Eindruck, als berichte der Fotograf von einer geglückten archäologischen Expedition in ein verschüttetes Weltreich. Ein Blick zurück in ein Land, das auf Sieg mit roten Nelken und Phantasieorden für besondere Leistungen setzte.
Der Besuch in der Ausstellung zeigt deutsche und europäische Geschichte, deswegen ja auch im Deutschen Historischen Museum. Aber der Besucher bekommt hier nicht nur das ikonografische Repertoire des Stern-Reporters Thomas Hoepker aus DDR-Zeiten zu sehen, sondern auch viele unbekannte Schätze aus seiner B-Schublade (so nennt er die von einigen Redakteuren abgelehnten Abzüge).
Der Freund klassischer Reportagen aus den Tagen des „Kalten Krieges“ findet im Pei-Bau eine gute Ergänzung zu seinem neuesten Buch, das er heute ebenfalls vorstellen konnte: „Thomas Hoepker , DDR Ansichten“. Einige der großformatigen Schwarz-Weiß Abzüge mit grobem Korn muten an wie der Blick in eine sehr frühe Epoche. Wenn ich vorher von archäologischer Beweisführung sprach, dann liege ich nicht ganz falsch, denn Thomas Hoepker nennt sein Buch im Untertitel „Views of a Vanished Country“.
Im Rahmen des Erinnerns an den 50. Jahrestag der Berliner Mauer zeigt das DHM in der Doppelausstellung auch das Verschwinden des „Eisernen Vorhangs“ in ganz Europa. Der Fotograf Daniel Biskup erweitert seinen Radius von Berlin nach Moskau und auf den Balkan.
2. Teil an dieser Stelle zu Daniel Biskup, der heute auch sein Fotobuch „Wege der Freiheit vorgestellt hat.
Neu in dieser Ausstellung im DHM: Die beiden Fotografen sprechen ihre erklärenden Texte zu den Bildern selbst.
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