„Alle reden vom Wetter. Wir nicht!“ Einer der besten Slogans des vergangenen Jahrhunderts. Die BAHN AG hat es geschafft, diesen Spruch in die moderne Zeit zu retten: „Alle reden von Stuttgart 21. Wir nicht!“
Nun wollen die Berliner auch mit-reden. Die Idee von Protest und Demonstration hat die bürgerliche Mitte erreicht. Bürgerbeteiligung gegen die Allmacht der Politiker. Und – das ist gut so. Berliner Bürger stilisieren ihren Protest gegen den BBI-Großflughafen hoch, weil ihnen ein Vergleich mit dem Protest gegen Stuttgart 21 gefällt. Die geplanten Luftkorridore für die Flieger bringen die Bürger auf die Straße. Was die Stuttgarter können, das können die Berliner allemal. Hier werden allerdings Äpfel mit Einkaufstüten verglichen.
Die Proteste zu Beginn der Planungen des Großflughafens kamen hauptsächlich von den Kleingärtnern in der Einflugschneise. Diese wurden damals als lächerliche Besitzstandswahrung einer Wochenendsiedlungsklientel abgetan, es hieß, es gäbe kein Recht auf Lärm-Freiheit. Der Fortschritt holt alle ein, auch die ehemaligen DDR-Bürger. Doch jetzt, heute, nimmt man die Bürger etwas ernster. In Berlin wird demnächst gewählt.
Den Vergleich zwischen Stuttgart 21 und BBI 21 finde ich persönlich für übertrieben. Aber in der Werbung, wenn es um PR geht sind alle Mittel recht. Das erfahren wir beim Einkaufen täglich.
Warum finde ich den Vergleich sogar für falsch?
Weil es für den BBI eine Lösung gäbe. Ohne Baustopp.
Diese Lösung wäre auch politisch schneller durchzusetzen.
Das Problem für die Berlin-Brandenburger sind der Lärm und das Kerosin bei den startenden und landenden Flugzeugen. Wie wäre es, wenn die Betreiber des BBI für die Nutzunge des Flughafens strenge Regeln einführen würden. So dürfen (mit einer Übergangszeit – bis zur endgültigen Fertigstellung des Flughafens im Jahre 20xx) nur noch Maschinen landen, die einen bestimmten Standard erfüllen, d.h. mit modernsten Triebwerken ausgestattet sind. Es gibt sie, die „Flüster-Jets“, die letztlich auch weniger Treibstoff verbrauchen. Die alten, abgeschriebenen „Mühlen“ der Frachtfliegerei und Billiganbieter aus dem Ausland bekommen keine Landrechte. Diese müssten umrüsten. Das geht sehr schnell, wenn in den Parlamenten die Abgeordneten den politische Wille den Bürger ernst nehmen würden.
Hallo - von den Kölnern lernen! Als das Nachtflugverbot für den Flughafen Köln/Bonn drohte (nach massiven Protesten der Anlieger) entschieden die Betreiber, dass alle lauten und stinkenden Schrottflieger keine Landegenehmigung mehr bekommen.
Und was passierte nach dem Aufschrei der Business-Lobby? In kürzester Zeit flogen nur noch „Flüsterer“ nach Köln. Das Geschäft der Airlines boomte besser als zuvor. Und die geplagten Anwohner konnten ihre teuren Lärmschutz-Fenster wieder öffnen.
Über diese Möglichkeiten schweigen sich die Betreiber des BBI und die Politiker aus. Sie kuschen vor den Lobbyisten. In d i e s e m Punkt ist ein Vergleich zwischen Stuttgart 21 und BBI 21 vertretbar. Kuschen wir nicht vor den wirtschaftlichen Interessen. Die nächste Demonstration kommt bestimmt. Also: „Alle reden vom Flüster-Jet. Wir auch!“












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