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Vernetzt - Nachmittagsempfehlungen für Menschen ohne Internet
© incasetheycallmyname

Vernetzt - Nachmittagsempfehlungen für Menschen ohne Internet

von Alina

Berlin ist eine Stadt der Provisorien. Keiner der hier nicht einmal auf einem Futon am Boden angefangen hat, mit Milchfrühstück aus alten Senfgläsern, oder wenigstens die billigen Tickets bei den Verkäufern an den U-Bahnhöfen gekauft hat, und gespart am Strom, am Telefon oder am Waschsalon, für einen Wasserkocher, einen Topf oder einen Toaster, oder eben mal provisorisch eine Freunden ausprobiert oder ein Haustier oder eine Topfpflanze oder WG. An den Straßen hängt Übergangsbeschilderung und an den Wiesen steht Bauzaun, es wird umgeleitet, unterbrochen und fortgeführt, und es ist einer der Vorzüge von Berlin, dass es immer einen ungewissen Ausgang bereithält und uns nicht in Routine verfallen lässt.  

Der persönliche Umbau auf ein neues Level, vor allem was das Einrichten und Einfinden angeht, endet glücklicherweise irgendwann, aber nichtsdestotrotz haben wir ja noch genügend Mangel übrig, um uns unvollständig zu fühlen. Mir mangelt es an Internet. Dass es sich dabei keinesfalls um eine Lapalie handelt, wird merken, wer drei Wochen ohne Zeitung und Festnetz lebt. Kontakt per Standleitung, das bleibt eine der wenigen Konstanten im ewigen Wandel, die kleine virtuelle Sicherheit, Durchreiche für das Leben der weit entfernten Freunde.   

Wer in Neukölln wohnt, befindet sich hierbei in einer denkbar günstigen Situation. Nach drei Wochen im neuen Bezirk (der das mit seiner 650jährigen Geschichte vermutlich als Kalauer abtun würde) , habe ich an Internetcaféerfahrungen in etwa alles Denkbare mitgemacht. Ich wurde Zeuge von lautstarken Trennungen via Skype, konnte alten, aggressiven Männern am Nebenplatz dabei zusehen, wie sie sich die Zeit bis zu den Sexy Sportclips im Internet verkürzten, ich durfte Prostitutionsgespräche mitanhören, ägyptische Actionserien, oder Cheb Khaled mit Untertiteln. Geschätzte 7 Mal habe ich meinen USB-Stick und einmal sogar meine Kamera in diversen Cafés liegen gelassen. Nie ging etwas verloren, selbst wenn ich erst Stunden später darauf kam, dass etwas fehlte. Ich folgere: Wenn hier die kriminelle Energie zuhause ist, dann geht sie wenigstens nicht ins Internet.  

Nun, nach einigem Probieren kann ich eine ehrliche Empfehlung aussprechen für das Telewelt-Internetcafé  an der Erkstraße Ecke Sonnenallee. Die Herren am Tresen sind zurückhaltend, aber charmant („Gib der Dame mal einen Rechner, der zurücklächelt“), der Getränkekühlschrank gut gefüllt (unter anderem gibt es hier großartigen Kirschsaft) und der Preis von 30 Cent für eine halbe Stunde Internet misst sich mit den Preisen von beispielsweise 50-90 Cent in anderen Cafés. Auch Raucher dürfen rein! Und wenn man lange genug UB40-Videos angesehen und Red Red Wine gesummt, Shooter gespielt und Soapstars gestalkt, sich seine zukünftigen Freunde auf Facebook gezeigt und alle Krankheiten gegooglet hat, kann man auch ein Stück weiter die Straße runter (via Karl-Marx-Straße) bei Habibi - momentan versteckt hinter einer der bereits oben aufgeführten obligatorischen Provisorien: Baustelle - Baklava mit Erdnüssen oder Pistazien, oder eben Vogelnester probieren.  

Ein Tipp noch für alle, die sich an der Windows-Übermacht in Internetcafés stören, Bedarf an bestimmten Programmen oder einfach komische Prinzipien haben: In der Wiener Ecke Ohlauer (Görlitzer Bahnhof) findet ihr einen Kiosk mit großen Apple-Rechnern (1,80 Euro die Stunde).   

In diesem Sinne: Computer Camp (vgl. Data Rock).
 

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