"Wir sind ein Volk!", steht in großen Buchstaben auf den Plakaten. Und direkt darunter, etwas kleiner: "Und ihr seid ein anderes." Die Plakate, die in der Kollwitzstraße, im Winskiez, am Helmholtzplatz und im Bötzowviertel hängen spalten den Bezirk. Sie sind ein verbaler Angriff auf die Zugezogenen aus West- und Süddeutschland. Nun kann man sich aufregen, kann Ausgrenzung verurteilen und darauf pochen, dass wir ja alle Deutsche sind. Man kann aber auch versuchen die Menschen zu verstehen, die dem schnellen Wandel nicht standhalten können. Wenn die Bevölkerung seit der Wende zu gut 80% ausgetauscht wurde, wenn Mieten steigen und teure Galerien und Bioläden die ansässigen Unternehmer verdrängen, muss man hinschauen was die Leute bewegt.
Das die Plakataktion nicht die Lösung sein kann, ist klar. Das der Absender feige ist, weil er sich als solcher nicht zu erkennen gibt auch. Aber wenn auf 10.000 Quadratmeter ca. 140.000 Menschen zusammen leben wollen, muss darüber geredet werden, welchen Flair dieser Kiez haben soll. Man muss sich entscheiden ob z.B. ein Mauerpark bebaut werden soll. Ob es an jeder Ecke Townhouses braucht, in denen die 3-Zimmer-Wohnung 600.000 Euro kostet. Will man das? Ist es ein Grabenkampf zwischen Alternativen und Yuppies? Ist die Entwicklung gut so, weil zahlungskräftige Bewohner besser für die Stadt sind als Sozialhilfeempfänger? Haben brennende Autos noch was mit Politik zu tun? Ich glaube es nicht. Ist es Neid, wenn man sich darüber mukiert dass beim Nachbarn der Papi aus Schwaben die Miete zahlt? Keine Ahnung. Aber Gedanken machen über die Entwicklung der Stadt sollten sich alle, die darin wohnen. Was sagt ihr zu dem Thema?






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