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I Am Kloot im Postbahnhof
© Christoph!, Quelle , Lizenz: cc (Creative Commons)
Musik - Mittwoch, 27. Oktober 2010 - 19:00

I Am Kloot im Postbahnhof

I Am Kloot Die schönste Geschichte, die mich mit I Am Kloot verbindet, hat mit einem Mixtape zu tun, und ich war nicht einmal dabei, als sie statt fand. Wie man das machte früher, wenn man jemand sehr toll fand, saß ich zwei Tage vor meinem Tapedeck, erstellte anständige Listen von Songs, von denen ich dachte, sie würden eine gute Geschichte erzählen, mit Höhepunkten und Tiefpunkten und durch alle Stimmungen hindurch, und ich nahm das alles auf und bastelte einen weiteren Tag an einem Cover, das meiner Meinung nach die Stimmung des Tapes gut einfing, und dann schickte ich das alles in die Schweiz, denn die Liebe war dort, und wer Musik hat, ist nie allein.

Dem Mann, der all die Mühe wert war, ging es nicht gut zu dieser Zeit, er schwamm so ein bisschen und wusste nicht, wohin, aber darüber zu reden war nicht seine Sache. Eines Tages nahm ihn sein Bruder, der schon lange ausgezogen war, mit dem Auto mit. Beide fuhren eine ganze Weile quer herum, Berg hoch, Berg runter, Berg hoch, wie man das eben in der Schweiz kann, und während des ganzen Weges hörten sie eben dieses Mixtape. Wie es der Zufall so wollte, standen sie gerade auf einem dieser Berge, hatten den Motor ausgeschaltet und rauchten nebeneinander auf die Motorhaube des Wagens gelehnt, während das Tal irgendwie so düster war wie die Zukunftsaussichten des Mannes, den ich liebte, da lief dieses Lied. Avenue of Hope von I Am Kloot. Und der Bruder des Mannes legte die Hand auf die Schulter des Mannes, und beide weinten. Ohne ein Wort zu sagen. Weil sie das beide lange nicht getan hatten, zusammen weinen, und auch nicht, einander gebührend zu trösten, und weil beide es schön fanden, sich einander schwach zeigen zu können, war der Freund sehr beeindruckt, so beeindruckt, dass er mich anrief und mir davon erzählte. Und wie er das erzählte, und ich das Gefühl hatte, dass er trotz des ganzen Schwimmens da drüben in dem entfernten Land gut aufgehoben war, dankte ich im Stillen I Am Kloot, die die ganze Mühe dieses Mixtapes auf einen Moment zusammengedampft hatten: die Berührung. Dass das, was eigentlich nicht kitschig ist, dadurch für Momente kitschig wurde, das ist halt so mit Emotionen, die scheren sich nicht um sowas.

Das alles sagt nun wenig über die Musik von I Am Kloot, die - man kann das so sachlich sagen - eine 1999 gegründete Indierock-Band aus Manchester sind, sieben Alben reich, bekannt für ihre bestechende Fähigkeit sanfte Songs durch Zynismus zu brechen und umgekehrt, mit einem Songwriting, das der NME als mit dem großen Morrissey vergleichbar beurteilte. Sagt aber vielleicht so viel, dass es sehr berührende Stücke sind, die I Am Kloot so schreiben, abseits von Kitsch, was nicht zuletzt der rauen, immer ein bisschen ironischen Stimme von John Bramwell zu verdanken ist. Produziert werden diese Alben nicht selten mit den Bandmitgliedern der ebenfalls fantastischen Gruppe Elbow. Das letzte, im Juli erschienen Album Sky At Night ist nun auch der Grund für den Besuch in Berlin. Mitbringen werden sie nicht nur so schöne Stücke wie Radiation, sondern auch Agnes Obel, die Sängerin mit der zarten Stimme und der vorsichtigen Gitarre.

Ein Video der letzten CD-Produktion gibts auch, und zwar dieses:

Da ihnen aber angeblich das Live-Spiel viel mehr liegt als die Studioaufnahmen, sollte man sich das auf keinen Fall entgehen lassen. Und jetzt: Ab ins Gebirge.

Mittwoch, 27. Oktober 2010 - 19:00
Straße der Pariser Kommune 4 10243 Berlin

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