Am 1.9.2010 ist der Irak-Krieg, dieses irgendwie unrühmliche Kapitel amerikanischer Geschichte, offiziell für beendet erklärt worden. Mit den Folgeschäden hat das Land nach wie vor zu kämpfen. In den Gefängnissen fürchten Insassen der den Amerikanern unterstehenden Zellbereiche die Übergabe an den irakischen Staat mit seiner drastischen Bestrafungspolitik. Religiös und politisch bleibt das Land weiterhin gespalten, und von Stabilität zu sprechen, wäre höhnisch. Aber: All das scheint weit weg, eine Randnotiz in den Tagesthemen, und solange uns die Wirklichkeit nicht in Form von Sprengstoffgürtel und Wahrzeichenbedrohung entgegentritt, ist unser Fokus einfach woanders.
Dem setzt das Irakisch-Deutsche Theaterfestival des Theaterhauses Berlin seine sechs Inszenierungen entgegen. Vom 5. bis 8. Oktober können Berliner sich im Tiyatrom und der Werkstatt der Kulturen die Inszenierungen und Produktionen irakischer Schauspieler und Regisseure ansehen und so ein Stückweit an der Lebenswirklichkeit teilnehmen, die den Alltag im Irak begleitet. Das Themenspektrum ist weit und reicht vom Aufbau einer Existenz im Nachkriegsirak über die Traumata der vorangegangenen Diktatur bis zum Leben als Zweitfrau. Auch die kurdische Minderheit im Irak ist durch das Stück "Gier" des Regisseurs Al-Hamawandi Hiwa Younis vertreten. Die Inszenierung “Zehn Geschichten über den Krieg” unter der Leitung von Kai Tuchmann entstand in gemeinsamer Zusammenarbeit verschiedener irakischer Künstler in Erbil anhand von Texten von Bertolt Brecht. Kleiner Wermutstropfen ist dabei, dass die Stücke - nach einer kurzen Einführung auf deutsch - nur auf persich, arabisch und kurdisch zu sehen sind. Andererseits bietet das natürlich die Möglichkeit sich ganz auf das Spiel der Schauspieler einzulassen, und zu sehen, inwieweit der emotionale Übertragungsprozess aus einer anderen Kultur so funktioniert, wenn man kein Wort versteht.
Begleitet wird das vielfältige Programm von zwei Podiumsdiskussionen zu den Themen "Theater in Konfliktregionen" und "Kulturelle Verschiedenheiten und die Möglichkeiten des Theaters", sowie der Ausstellung "Deutschland, Kurdistan/Irak und zurück" im Theaterhaus Berliner Mitte, die bis zum 17. Oktober Fotografien von Eduardo Fernandez-Tenllado Ramminger und Ari Jalal zeigt.
Das Programm gibt es hier.



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