powered by BerlinOnline
No public posts in this group. You must login and become a member in order to post messages, and view any private posts.
Jaroslaw Kozlowski | Words and Colors
Veranstaltung - Samstag, 25. November 2017 (ganztägig) - Samstag, 10. Februar 2018 (ganztägig)

Jaroslaw Kozlowski | Words and Colors

Vernissage: Freitag, 24. November, 2017, von 18.00 bis 21.00 Uhr

ŻAK | BRANICKA ist hocherfreut, die Ausstellung Worte und Farben von Jarosław Kozłowski vorzustellen – die erste Einzelausstellung und zugleich der Beginn seiner Kooperation mit der Galerie.

Kozłowski ist eine Legende der polnischen Konzeptkunst. Bereits lange vor der Wende öffnete sich in seinem Atelier ein Fenster in den Westen Europas: Anfang der 1970er Jahre gründete er das Künstlernetzwerk NET mit über 350 internationalen Künstlern (das auch das Interesse der Geheimdienste weckte) und war zentraler Protagonist der Fluxus-Bewegung in Polen. In der von ihm gegründeten Galerie Akumulatory 2 (1972–89) veranstaltete er 1977 ein  Fluxus-Festival und stellte Künstler wie Richard Long, Reiner Ruthenbeck, Franz Erhard Walther, Victor Burgin, Douglas Huebler und andere aus.

In seinem Werk setzt sich Kozłowski von Beginn an mit Begriffen wie Raum, Zeit, Logik und Sprache auseinander. In der Ausstellung Worte und Farben in der Galerie ZAK | BRANICKA präsentiert er nun eine Auswahl an Werken der letzten fünf Dekaden. Der trockene, emotionslose Titel der Ausstellung spiegelt jene analytische, für die Konzeptkunst typische Strategie wieder, die sich mit Vorliebe nur auf die Benennung von Fakten beschränkt. Nun offenbart die Knappheit der Mittel doch zahlreiche visuelle Anreize und der Inhalt der Ausstellung überrascht: im Schwerpunkt liegt Farbe und deren Wahrnehmung, wie bereits vor hundert Jahren in der Kunstgeschichte üblich. Somit werden die Vorurteile, die der Begriff der Konzeptkunst mit sich bringt, von Kozłowski ironisch widerlegt.

Die berühmte Arbeit Wandmalerei wurde bereits vor knapp 40 Jahren in der Galerie René Block in Berlin ausgestellt. Es sind mehrere verschiedenfarbige Tafeln aus Papier oder Raufasertapete. Die Tafeln sind Farbmuster von Wänden, die Kozłowski persönlich um 1979 in verschiedenen Wohnungen in Posen, Berlin und London – wie ein typischer Handwerker – gestrichen hat. Die Arbeit wurde damals tarifgemäß pro Quadratmeter von dem jeweiligen Auftraggeber bezahlt. Die tatsächlichen Originale sind also die farbigen Wände (fraglich bleibt, ob diese wohl noch existieren), die Tafeln sollen lediglich Farbmuster sein. Kozłowski stellte damit die Malerei als kreativen Akt des Künstlers in Frage.

In einer anderer Arbeit Ästhetikübungen von 1976 untersucht Kozłowski die Zusammenhänge zwischen Bild und Wort: „59 verschiedene Farbmuster werden ästhetisch gleich beurteilt: ‚weder schön noch hässlich’. Diese Formulierung wählte auch Marcel Duchamp, als er beschrieb, dass er seine Readymades nach dem Kriterium der ästhetischen Indifferenz ausgewählt hatte. Bei Kozłowski sind die Farben keine Malerei mehr, sondern neutrale Readymades, selbstreferenziell und resistent gegen traditionelle oder auch sozialistische ästhetische Vorstellungen, wodurch sie ihre künstlerische Autonomie manifestieren. [...] Bei den Readymades von Duchamp war die schöpferische Tätigkeit des Künstlers im Grunde schon auf einen sprachlichen Deklarationsakt reduziert, Gebrauchsgegenstand und Kunstwerk fallen zusammen. Auch die „Specific Objects“ der Minimal Art und die „Brillo Boxes“ von Andy Warhol negieren Autorschaft, Originalität und Repräsentation und stellen dafür die Idee in den Vordergrund, die schließlich in der Konzeptkunst zur zentralen Formulierung wird und das Kunstwerk als Objekt überflüssig machen soll. Stattdessen wird die logische Struktur der Sprache zum Repräsentationsmodell für die Wirklichkeit und damit zur Grundlage von Wahrnehmung und Erkenntnis.“ (Björn Egging)

Man muss aber weder von Duchamp noch von Warhol jemals gehört haben um die Wirkung, die weit über den Kontext der Kunst hinaus reicht, deutlich erkennen zu können. Wie damals, als Kozłowski 1982 in der Akumulatory 2 Galerie eine Wand grün strich und mit roter Farbe drauf schrieb: „Die grüne Wand ohne einen bestimmten (zum Beispiel politischen) Kontext.“ Für die Geheimdienste genügte das um die Ausstellung nach einem Tag zu schließen. Die gleiche Arbeit – nur in grau – die wiederum kurz nach der Wende in The New Museum of Contemporary Art in New York (1990) gezeigt wurde, sorgte für einige, politische Kommentare über die graue Wirklichkeit hinter dem Eisernen Vorhang. Wie frei von jeglichem (auch politischem) Kontext Kunst sein mag, das untersucht er in der Arbeit News Games, für die er internationale Zeitungen mit verschiedenen Farben übermalte und gefaltet in weiße Papiertüten steckte. „Hier praktiziert Kozłowski eine Anti-Malerei auf einer Meta-Ebene, die es ihm erlaubt […] ein Höchstmaß an künstlerischer Autonomie zu erlangen. Diese Freiheit ist für ihn bis heute die Voraussetzung für eine kritische Distanz zu den politischen Verhältnissen.“ Dabei enthüllt er bereits seit knapp 50 Jahren die Denkstrukturen, mit denen wir und unsere Gesellschaft funktionieren. Nun liegt es in der Hand des Betrachters, zu entscheiden, was er mit dieser Erkenntnis anfängt. So wie im wahren Leben.

 

Jarosław Kozłowski wurde 1945 in Schrimm, Polen, geboren. Von 1963 bis 1969 studierte er Malerei an der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst in Posen, wo er ab 1969 unterrichtete und von 1981 bis 1987 als Rektor tätig war. Von 1991 bis 1993 war er Kurator am Zentrum für Zeitgenössische Kunst in Warschau. Er war ein Stipendiat The British Council in London (1979) und DAAD in Berlin (1984-85).  Kozłowski hatte zahlreiche Einzelausstellungen, u. a. in der Galerie Foksal, Warschau (1972), im Muzeum Sztuki, Lodz (1994), im Künstlerhaus Bethanien, Berlin (1986), im Brno House of Arts, Brünn (2000), er war bei der 8. Sydney Biennale (1990) und der 27. Biennale von Sao Paulo (2006) vertreten. Seine Werke befinden sich in Sammlungen wie zB. MoMA in New York, MAM de São Paulo, oder Generali Foundation in Wien und anderen. Er lebt und arbeitet in Posen.

Samstag, 25. November 2017 (ganztägig) - Samstag, 10. Februar 2018 (ganztägig)
Lindenstraße 35 10969 Berlin

Fotos

Noch keine Fotos vorhanden.

Kommentare

Inhalt abgleichen