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KwieKulik – Das Monument ohne Pass
Veranstaltung - Samstag, 30. April 2016 (ganztägig) - Samstag, 30. Juli 2016 (ganztägig)

KwieKulik – Das Monument ohne Pass

Eröffnung: 29. April, 2016. 18 - 21 Uhr.

Zusätzlich zur Ausstellung gibt es vom 27.-30. April tägliche Screenings im benachbarten Kino fsk. Gezeigt werden eine Dokumentation über KwieKulik und Videos des Künstlerduos. Eintritt frei.

ŻAK | BRANICKA freut sich, die Einzelausstellung des Künstlerduos KwieKulik (Przemysław Kwiek, Zofia Kulik) mit dem Titel Das Denkmal ohne Pass im Rahmen des Gallery Weekend Berlin 2016 zu präsentieren.

In den gezeigten Kunstwerken geht es um die Kritik am repressiven Staat. Das Hauptthema ist die persönliche und soziale Freiheit, sowie die Reise- und Meinungsfreiheit. Die Ausstellung entstand als Reaktion auf die gegenwärtigen politischen Konflikte in Europa, insbesondere das Problem der Zensur. Die gezeigten Werke – überwiegend in den 1970-er Jahren entstanden – sind zeitlos und damit gleichermaßen aktuell. Sie verdeutlichen, dass sich Geschichte wahrhaftig wiederholt.

Das Künstlerpaar KwieKulik bestand zwischen 1971 und 1987 und gilt als eines der wichtigsten Kunstphänomene jenseits des Eisernen Vorhangs. In den 16 Jahren seines Bestehens führte das Duo unzählige Performances auf, initiierte künstlerische Demonstrationen und erschuf zahlreiche Objekte, Filme und Fotografien. Durch ihr soziales und politisches Engagement und ihre kompromisslose Kritik nehmen KwieKulik eine einzigartige Stellung in den avantgardistischen Bewegungen ein. Das Politische in ihrer Kunst war schon immer eine Reaktion auf die Missbilligung, die ihnen das polnische Regime entgegenbrachte. KwieKulik lehnten traditionelle Ausdrucksformen ab; ihre Methoden waren für ihre Zeit bahnbrechend. So erhoben sie die Performance und die Dokumentation ihrer Kunst zu wesentlichen Aspekten ihres Schaffens. Ihr Grundsatz war die Aufhebung der Grenze zwischen dem privaten Leben und der Kunst nach dem Motto: „Das Private ist politisch.“

Eine ihrer ersten Arbeiten ist die Fotoserie Ameryka (1972-1985). Der Titel ist angelehnt an eine Zeitschrift, die in Washington gedruckt und von der amerikanischen Botschaft in Polen vertrieben worden ist. In dieser Zeitschrift wurde die Realität in den Vereinigten Staaten auf idealisierte Weise dargestellt – in der darin gezeigten, utopischen Welt  waren alle Menschen glücklich. Kwiek und Kulik konnten sich damit nicht identifizieren, da diese Abbildungen nicht der Realität des sozialistischen Alltags entsprachen. Also schufen sie ihre eigene, ideale Welt: Die Fotos zeigen sie als glückliche Eltern und Künstler, die beruflich erfolgreich sind und die Welt bereisen. Ameryka enttarnt die wahre Sprache der Propaganda, indem sie diese auf verzerrte Weise darstellt. 

Der Titel der Ausstellung Das Denkmal ohne Pass bezieht sich auf eine Performance, die das Duo 1978 auf der Jugendkunst-Biennale in Sopot aufführte. Es war eine Gegenreaktion auf ein Reiseverbot, das ihnen die polnische Regierung auferlegt hatte. Aufgrund dessen konnten sie nicht beim Künstlertreffen „Behaviour Workshop“ in Arnhem (Niederlande), das im selben Jahr stattfand, teilnehmen. Anlass für das Reiseverbot waren zwei Fotos in einem Ausstellungskatalog der Kunsthalle Malmö in Stockholm. Auf einem ist Zofia Kulik in der Bildhauerwerkstatt bei der Arbeit an einer Gedenktafel zu sehen. Im Hintergrund lehnt zufällig ein Werk eines anderen Künstlers an der Wand.  Es ist ein großer Adler aus Gips – das Wappentier Polens. Die Fotografie ist mit einem Kommentar versehen: „Ein Gipsvogel für Bronze in den Barracken der Bildenden Künste“. Die zweite Fotografie zeigt eine phallusförmige Tonfigur, ein früheres Werk Przemysław Kwieks, mit dem Titel Der Schwanzmann. Die Zusammenstellung der beiden Abbildungen führte zur sogenannten „Adleraffäre“. In dieser wurden die Künstler beschuldigt, das nationale Symbol Polens beschmutzt zu haben. Der Staat entzog ihnen daraufhin jegliche finanzielle Unterstützungen und verbot ihnen, in den nächsten Jahren polnische Kunst im Ausland zu repräsentieren. So wurde Das Denkmal ohne Pass schließlich zum Mahnmal gegen bürokratische Willkür. KwieKulik baten daraufhin die Organisatoren in Arnhem, eine Performance nach ihrer Anleitung aufzuführen. Auch Joseph Beuys nahm daran teil. Die beiden historischen Fotografien werden in der Galerie gezeigt.

Kurz bevor 1981 der Ausnahmezustand in Polen ausgerufen wurde, nahmen Kwiekulik an der Ausstellung „Neue Kunst aus Polen“ im Künstlerhaus Stuttgart teil. Im Zuge der Ausstellung schufen sie die Videoperformance Supermarkt. Darin bummeln die Künstler durch einen Lebensmittelladen voller fremder Güter und können sich, vom Überfluss überwältigt, nicht zwischen den Waren entscheiden. Schließlich verlassen sie den Laden, ohne etwas gekauft zu haben. Diese absurde Situation verbildlicht die Diskrepanz zwischen der Realität, die KwieKulik kannten, und einem vermeintlichen „Land der Träume“.

Im selben Jahr unternahmen KwieKulik eine Reise, die sie im Video Trip around Europe dokumentierten. Dieses wird ebenfalls in der Galerie gezeigt. Die zwei Künstler reisten in einem kleinen Fiat 126p durch Deutschland und Belgien. Im Wagen transportierten sie ein Zelt, Schlafsäcke, einen Gaskocher, ihre Kamera und sogar einige ihrer Kunstwerke. Während der Reise verwirklichten und dokumentierten KwieKulik mehrere Projekte und trafen zahlreiche Künstlerkollegen wie Joseph Beuys und Elisabeth Jappe.  

ŻAK | BRANICKA wird während des Gallery Weekend Berlin 2016 täglich ein Screening im benachbarten Kino fsk veranstalten. Gezeigt wird die Dokumentation “KWIEKULIK” von A. Zakrzewska and J. Turowicz und einige Videos von KwieKulik. Kino fsk, Segitzdamm 2, 10969 Berlin. Die Screenings finden vom 27. – 30. April 2016 täglich um 16 Uhr statt.

 

 

Samstag, 30. April 2016 (ganztägig) - Samstag, 30. Juli 2016 (ganztägig)
Lindenstraße 35 10969 Berlin

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