Der Krieg schafft seine eigene Realität, eine eigentümliche kalte Spannung. Wie schwierig sie zu vermitteln ist, zeigt sich an der Art, wie man zuweilen heute Nachrichten ansieht: gleichgültig. Kriegsrealität darzustellen, ohne sich dabei auf ein Ensemble aus Effekt und Knall, Bombardements und Explosionen, am besten unterlegt mit ausladenden Streichkonzerten, schwitzenden Muskeln, schreienden, verstaubten Menschen zu verlassen, ist eine Kunst. Lebanon wagt sich an dieses schwierige Genre und erzählt 92 Minuten aus dem Libanonkrieg von 1982. Vier junge, israelische Soldaten werden losgeschickt, eine Stadt auszukundschaften - kein ungefährliches Unterfangen, man ist schließlich im Krieg. Samuel Maoz, selbst Israeli und ehemaliger Soldat, erzählt mit diesem Film nach vielen Jahren des Schweigens seine persönlichen Erlebnisse, die er aus Nähe zum Geschehen und unter Druck der israelischen Gesellschaft lange Zeit für sich behielt. Dazu wählt er eine ungewöhnliche, kriegsimmanente Perspektive: Der Film spielt in der klaustrophobischen Atmosphäre eines Panzers, in dem man gleichermaßen versteckt wie unübersehbar ist. Ein Vakuum, wie gemacht für ein brutales Kammerspiel. Die Welt da draußen schießt durchs Fadenkreuz, und drinnen sitzen vier Männer, die nicht psychologisiert werden, sondern vielmehr durch ihre Gesichter die Angst, das Mitgefühl. die Abwehr und die Abhängigkeit aufzeigen, in der sie sich befinden. Für dieses eindringliche Werk gab es 2009 in Venedig den Goldenen Löwen. Verstörend und unbedingt sehenswert.


