Man sieht nur das, was man kennt. An diesen Spruch erinnere ich mich, wenn ich vor der Installation des Bildhauers Micha Ullman stehe. Ich sehe 12 eckige Objekte aus rotbraun-korrodiertem Eisen auf dem Galerieboden verteilt. Es sieht so aus, als seien hier Haushaltsgegenstände in einem Schlammsee versunken.
Ein Ausschnitt der so schrecklichen Bilder aus dem Fernsehen, die uns gegenwärtig aus der Tsunami-Region Japans erreichen. In mein Hirn drängen sich Assoziationen, die ich nicht selbst erfahre, aber als Schrecken erahne. Fragmente verschütteter, zerstörter, untergegangener Objekte aus dem häuslichen Alltag. Heute in Japan, gestern in Europa, allgegenwärtig, weltweit. Wie nach einer Überschwemmung schauen nur die Fragmente heraus.
Diese land-art Skulptur im Jüdischen Museum nennt Micha Ullman „Unten“.
Der Künstler zeigt uns auch hier wieder das, was er schon bei der Betrachtung seines in Berlin bekanntesten Kunstobjekts erreichen möchte: Eine Auseinandersetzung mit dem Unsichtbaren.
Die „Bibliothek“ unter dem Bebelplatz in Berlin-Mitte zeigt leere Regale. Wir wissen, dass die Bücher 1933 schändlich von den Nazis verbrannt wurden.
So nun auch in der Sonderausstellung im Jüdischen Museum: Das Unsichtbare wird zur eigentlichen Aussage. Der Betrachter sieht auch hier, was er kennt. Vielleicht auch, was er noch nicht kennt, denn dann muss er sich damit befassen.
Sonderausstellung im Jüdischen Museum
Vom 18.3. bis 1. 5. 2011
Eintritt mit Museumsticket: 5 Euro (ermäßigt 2,50 €)






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