Das Geld bleibt ein bestimmendes Thema unserer Zeit. Was den einen fehlt, macht die anderen nicht glücklicher. Zu viel davon ist nicht gut, der Erwerb ist verbunden mit dem Verlust an Lebensqualität, an Charakter oder eben des Lebens selbst. Intrigen, Ränke, Betrug und Mobbing begleiten dicke Portemonaies und ungedeckte Konten. Wenn Geld einmal zum Identifikationsfaktor geworden ist, kann sein Verlust nur noch mit Ehrverlust einhergehen. Wie man zu Geld kommen wollte, wie man gescheitert ist, auch wie das Geld einen übernommen hat, als man es sich nehmen wollte, all diese Geschichten sucht die Schaubühne am Lehniner Platz bis zum 30. September. Bis dahin können sich Berliner, die in den Bann des Geldes geraten sind, die im Bankwesen gearbeitet haben, spielsüchtig waren oder sind, die mit Geld Großes anfangen wollten und gescheitert sind, und Lust haben ihre Geschichten auf der Bühne zu erzählen per Mail oder Anruf bei der Schaubühne melden, um bei der Inszenierung von Georg Kaisers "Von morgens bis mitternachts" mitzuwirken.
Vom 3. bis 5. Oktober veranstaltet die Schaubühne dann ihr Casting, die Aufführung ist für Mitte Dezember geplant.
Volker Lösch, der Initiator dieses Berliner Bürgerchors fiel schon in den letzten Jahren immer wieder durch ungewöhnliche Inszenierungskonzepte auf, bei denen der Fokus auf den vor Ort lebenden Bürgern liegt. So verzichtet er auf professionelle Schauspieler und baut auf die Authentizität seiner Laiendarsteller, die sich inhaltlich gemeinsam mit ihm einem bereits vorhandenen Stück annähern. Aus der Gruppe heraus agieren Einzelne mit ihren Schicksalen, die in der öffentlichen Wahrnehmung so schnell unter den Tisch fallen, und demonstrieren gleichzeitig die Kraft, die entsteht, wenn sie sich als Einheit von vielen begreifen.
Stupide Wiederholung ist allerdings nicht seine Sache. Gefeiert und bisweilen auch gefürchtet sind seine Inszenierungen vor allem wegen ihrer Auseinandersetzung mit sozialen Ungerechtigkeiten. So sorgte 2008 Löschs Inszenierung von Peter Weiss' "Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade" als "Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?" am Hamburger Schauspielhaus für einiges Aufsehen. Damals hatten die ärmsten Hamburger ihrer Wut über die soziale Ausgrenzung Luft gemacht und unter anderem unter der Ankündigung "Hamburg soll brennen" die Namen der reichsten Hamburger inklusive Firmenanschrift verlesen.
Rechnen wir also zur Weihnachtszeit mit kollektivem Bankraub, öffentlichen Geldscheinschreddern, Euro-Prägemaschinen oder gleich einer neuen Währung.



Kommentare