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Rundgang im EPHRAIM-PALAIS | Stadtmuseum "Berlins vergessene Mitte"
Rundbild vom neuen Dom, 1904. Otto Raschdorff, Berlin. Foto: Stadtmuseum Berlin
Stadtentwicklung - Dienstag, 26. Oktober 2010 - 10:00 - Sonntag, 27. März 2011 - 18:00

Rundgang im EPHRAIM-PALAIS | Stadtmuseum "Berlins vergessene Mitte"

von Fritze

Das Stadtmuseum Berlin  hat einen Nerv getroffen. Allerdings, so vergessen ist die Mitte nicht, denn die Berliner strömen in die Ausstellung.  Die Museumsleitung zählt bereits an den ersten Tagen nach der Eröffnung mehr Besucher als bei den vorangegangenen Themen.

Die Bilder exzellenter Architekturfotografen und besessener Amateure ergänzen sich beim Versuch, uns 170 Jahre Veränderungen eines Stadtkerns zu zeigen.  

Nach einem ersten Rundgang bin ich wild entschlossen, mir die Ausstellung ein zweites Mal anzuschauen, dann aber ganz gezielt. Jeder Berliner hat so seine Lieblingsecken. Für die Diskussion um den Wiederaufbau des Schlosses findet der Besucher hier reichlich Anschauungsmaterial. Und seit Politiker und Medien laut über eine mögliche Bebauung der Grünflächen zwischen Spree und Alexanderplatz nachdenken, bietet die Ausstellung viele Argumente - dafür oder dagegen. Skizzen, Pläne und vor allem die ausgezeichnete Fotografien zeigen uns die ehemalige Schmuddelseite hinter dem Schloss, das vermeintlich „richtige“ Berlin.  Das Schloss mit den pompösen Prunkbauten auf der anderen Seite der Spree stand ja in ohnehin in Cölln.

Was könnte man aus dieser parkähnlichen Anlage machen? Da sehen wir eine Seenlandschaft vor dem Roten Rathaus.  Diese Idee für die Neugestaltung der Grünfläche kommt aus dem Büro der angesehenen Architektengemeinschaft Chipperfield / Graft / Kiefer, konzipiert im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die schlagen doch allen Ernstes vor, diese Freifläche in eine Wasserlandschaft zu verwandeln. Ich sehe darin eine neue Prunksucht, nur diesmal als Ausdruck unserer modernen Spaß-Gesellschaft. Disneyworld lässt grüßen. Konsequenterweise suchen Generationen von Stadtplanern und Architekten den potentesten Auftraggeber. Heute, in den Jahren in denen der Tourismus boomt, überbieten sich Investoren aus der Konsum- und Freizeitbranche. Kommt der See unter dem Fernsehturm morgen, dann kann man übermorgen den Stöpsel wieder ziehen und auf der Trockenfläche evtl. Häuser bauen oder Kartoffeln pflanzen.
Aber ist diese Idee wirklich so abwegig?  Wer die Macht und die Steuergelder hat, der bestimmt letztlich die Richtung. Hat sich das geändert? Königliche Residenzen wurden errichtet, Schlösser wieder abgerissen, Paläste schließlich wegsaniert,
neue Schlösser geplant. Wie einen roten Faden empfinde ich bei der Betrachtung der Exponate das Bedürfnis nach Abriss und Zerstörung alter Bausubstanz.  

Der Ausstellungsbesuch ist ein Muss für Stadtplaner. Auch normale Bürger erfahren beim Rundgang: Nichts bleibt so wie es ist. Monarchen, Diktatoren und Funktionäre haben in den vergangenen 170 Jahren selbstherrlich entschieden, was platt gemacht wird, was bleibt und – vor allem – wie sie ihren Machtanspruch in Stein meißeln oder in Beton gießen können.
Nach dem ersten Rundgang, so finde ich, kommt ein Thema zu kurz: Wo sind die gelungene Beispiele für den Wiederaufbau der Berliner Mitte nach dem Zweiten Weltkrieg? In der Ausstellung sehe ich nur den allgegenwärtigen Fernsehturm.

Die fotografische Sammlung im Stadtmuseum ist ein Lehrstück für jeden mündigen Bürger, der meint, er könne heute mitreden bei der Planung seiner Stadt. Und das scheinen nicht wenige zu sein, so mein Eindruck nach dem ersten Besucheransturm im Ephraim Palais.


Eine Ausstellung zum 4. Europäischen Monat der Fotografie in Kooperation mit:
Center for Metropolitan Studies, Technische Universität Berlin
Landesarchiv Berlin, Der Tagesspiegel, Verein für die Geschichte Berlins e.V.
Gefördert durch: Wall AG
Öffnungszeiten: Di, Do-So: 10-18 Uhr | Mi 12-20 Uhr
Eintritt: 5,00 € / erm. 3,00 €

Dienstag, 26. Oktober 2010 - 10:00 - Sonntag, 27. März 2011 - 18:00

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