powered by BerlinOnline
No public posts in this group. You must login and become a member in order to post messages, and view any private posts.
Tomek Baran | Black Mirror
Veranstaltung - Donnerstag, 26. April 2018 (ganztägig) - Samstag, 23. Juni 2018 (ganztägig)

Tomek Baran | Black Mirror

 

ŻAK | BRANICKA freut sich sehr, anlässlich des Gallery Weekend 2018 Black Mirror, Tomek Barans erste Einzelausstellung in der Galerie zu zeigen.

 

Baran fordert in seinen Arbeiten unser Gefühl für Materialität heraus. Seine Objekte sind nicht durch eine einzelne Disziplin definiert; sie sind vielmehr eine Kombination aus Malerei und Skulptur deren spielerische Deplatzierung sie zugleich erzeugen. Die zutreffendste Definition wäre wohl, dass sie Ready-Mades sind, die eine postindustrielle Stimmung hervorrufen. Baran nutzt eine Mischung verschiedener Materialien um einen performance-artigen Raum zu schaffen in dem seine Objekte durch ihre Positionierung ihre eigene Intervention bilden. Die Oberflächen seiner Malereien reichen von metallisch glänzend bis zu betonartig matt und lenken das Auge des Betrachters auf die Formen und Konstruktionen unter den Leinwänden. Baran konzentriert sich auf Fragen des Raumes und sucht bewusst nach Beziehungen zwischen seiner eigenen abstrakten Praxis und die der Architektur und Skulptur. In Stalowa Wola, einer Industriestadt im postkommunistischen Polen aufgewachsen, dürstete es Barans leidenschaftliches ästhetisches Gespür nach etwas anderem. Er entschied, das ihm Bekannte umzufunktionieren statt etwas Neues aus edlen Materialien zu schaffen.

 

Es ist bezeichnend, dass Baran sich selbst einen „abstrakten Hooligan“ nennt. Seine Arbeit ist ein subversives Spiel: er nimmt ironisch Stellung zu seinem eigenen Werk, das als ein Ort für Kunst und nicht-Kunst, Malerei und nicht-Malerei, umgebende Realität und virtuelle Realität wahrgenommen werden soll. Er scheint die traditionellen Ideen des Abstrakten als gänzlich losgelöst von der Realität in Frage zu stellen. Natürliches wie künstliches Licht und die Schatten und Schattierungen die mit den Bildobjekten zusammen arbeiten, werden einem anhaltenden Wandel, abhängig von Winkel und Ort der Betrachtung des Werkes, unterzogen. Die Avantgarde-Künstler behaupteten, Bewegung und Licht zerstöre statischen Realismus in einer Malerei. In Barans Werken wirken Bewegung und Licht mit den abstrakten Formen zusammen und werden zu untrennbaren Komponenten in der Betrachtung seiner Arbeiten.

 

Baran arbeitet zeitgleich im Bereich der postindustriellen Kunst, der Abstraktion und der Ästhetik der Neuen Medien. Bisweilen nutzt er das Konzept des Verlaufs oder der Bewegung in der Computergrafik, den weichen tonalen Übergang zwischen verschiedenen Farben. Er zieht dafür digitale Bildsysteme heran, wie in seinen gold-weißen Werken zu sehen ist. In diesem Kontext müssen seine monochromatischen Malerei-Objekte auch im Umfeld der digitalen Kultur und folglich auch in einem weiteren Bedeutungsspektrum gesehen werden. Seine Werke bergen keine direkten Referenzen zu Kazimir Malevichs malerischem Suprematismus sondern vielmehr zu virtueller Realität und der Symbolik des „black mirror“ [schwarzer Spiegel].

 

Die Bedeutung des „black mirror“ wurde durch eine britische TV-Sendung mit demselben Titel bekannt, die unsere moderne Gesellschaft hinsichtlich unvorhergesehener Konsequenzen der Neuen Technologien untersucht. In der Sendung wird eruiert, inwiefern diese Technologien uns verändern und wie die menschliche Natur durch die digitalen Entwicklungen – besonders in den Neuen und Sozialen Medien – gestört wird. Unsere Leben sind untrennbar mit der virtuellen Realität verknüpft und in ihr versunken. Wenn wir unsere Telefone, Tablets, oder Computer ansehen nachdem sie ausgeschaltet wurden, sehen wir unsere Reflektion in einem dunklen Spiegel. Vor dieser schwarz reflektierenden Oberfläche eines digitalen Bildschirms sehen wir unser eigenes verschwommenes Bild auf der anderen Seite: eine Reflektion der Einsamkeit, der Isolation des digitalen Zeitalters und unseres wahren Antlitzes in der Realität der Sozialen Medien.

 

Die virtuelle Realität ist ein Raum der, ähnlich wie in dem Spiegel-Beispiel, als Heterotypie bezeichnet werden kann, in der zwar Bilder existieren, der Raum selbst in der Realität jedoch nicht existent ist. Laut Michael Foucault zeigt die Heterotypie einen Gegen-Ort, einen unwirklichen Raum in dem wir uns selbst dort sehen wo wir nicht sind. Sie ist ein Raum der zeitgleich existiert und nicht existiert, wie die andere Seite des Spiegels – ein Raum von invertierter Realität. In diesem Sinne können auch Barans monochromatische Objekte, matt und mit dunkler Farbe überzogen, als Heterotypien betrachtet werden. Sowohl als separate Objekte wie auch als künstlerische Installation im Raum erzeugen sie ein Gefühl des auf-der-anderen-Seite-des-Bildes-seins. Ähnlich der Erfahrung, sich an einem Ort ohne Ort zu befinden. Demnach funktionieren Barans Malereien, Objekte und Installationen ohne Zweifel durch Intuition und Immersion, als würde sich der Betrachter selbst im Bild wiederfinden.

 

Der Künstler wendet sich an die Sensibilität und das emotionale Engagement des Betrachters. Beim Betreten der Ausstellung finden wir uns selbst vor schwarzen Spiegeln in mannigfachen Realitäten die zeitgleich virtuell, abstrakt und post-industriell sind. Die Ausstellung ist definiert durch Heterotypien, Konstruktionen von Orten, die wir erfahren können ohne physisch dort zu sein. Als Betrachter können wir uns mit anderen Individuen in diesen Heterotypien verbinden, wobei dennoch jeder seine eigene einzigartige Erfahrung macht. Durch die Symbolik des „black mirror“ werden wir zuletzt endlich eintauchen und immer tiefer in die Dynamik und die Reflektionen der dunklen, glänzenden Oberflächen der installierten Werke vordringen.

Dr. Przemysław Strożek
Polish Academy of Sciences

Donnerstag, 26. April 2018 (ganztägig) - Samstag, 23. Juni 2018 (ganztägig)
Lindenstr. 35 20969 Berlin

Fotos

Noch keine Fotos vorhanden.

Kommentare

Inhalt abgleichen