Familie heute – letzter Hort von Liebe und Solidarität? Sorgenkind der Super-Nanny? Neurotische Nahkampfarena? Ort sozialer Determination bis zum Lebensende? Eine Vielzahl von Lebensmodellen existiert heute nebeneinander. Die typische biologische Kleinfamilie gilt längst nicht mehr als allgemein gültige Existenzform. Patchworkfamilie, Alleinerziehend, gleichgeschlechtliche Elternschaft, kinderloses Paar, Wohngemeinschaften mit oder ohne Kinder oder Mehrgenerationenprojekte sind die mehr oder weniger freiwillig gewählten Alternativen. Viele Menschen schaffen sich Lebenszusammenhänge, die ihnen die Geborgenheit und Zuwendung geben, die sie in ihrer Herkunftsfamilie nicht gefunden haben. Was bedeutet also heute „Familie“, diese kleinste gesellschaftliche Einheit? Welches Modell von Familie braucht wer von uns? Und wie gehen wir mit dieser Wahlfreiheit um?
Im „letzten Abendbrot“ ergreifen verschiedene Menschen das Wort, die der Künstlergruppe unitedOFFproductions seit vielen Jahren eng verbunden sind: Schauspieler, Dramaturgen, Grafiker… Per Videoscreen sowie live auf der Bühne berichten sie aus ihren jeweiligen Lebensentwürfen, von ihrem Alltag mit oder auch ohne Familie, ihren Visionen und Enttäuschungen. Immer wieder erproben sie sich in jeweils neuen familiären Geflechten, loten Belastungsgrenzen unter den Beteiligten aus und treten der jeweils drohenden Tristesse des Scheiterns mit Offenheit und Mut zum abrupten Rollenwechsel entgegen. Jeder muss ran, ran an den nächsten Geschlechterkampf, an das nächste gemeinsame Abendbrot, an die nächste erzieherische Maßnahme, die nächste fürsorgliche Tat. „Familie“ ist eine Menge Arbeit. In der atmosphärischen Verortung des Phänomens „Familie“ zwischen Zwangsgemeinschaft und durchlässig-freiheitlicher Struktur schlagen sich die Spieler ihren Weg frei.
„Das letzte Abendbrot“ ist der erste Teil einer Theater-Trilogie zu den Themen „Familie“, „Alter“ und „Tod“. Der zweite Teil unter dem Titel „Trainingscamp. Vorbereitungen auf ein späteres Drama“ ist für 2011 geplant.
Premiere: 3.12.2010, 20 Uhr, Theater unterm Dach, Danziger Straße 101, 10405 Berlin // Weitere Aufführungen: 4., 5., 15., 16. & 17.12.2010; 29. & 30.01.2011, jeweils 20 Uhr



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