Amerika-Gedenk-Bibliothek. Es ist ein langes Verhältnis zwischen der AGB und mir, und ich habe mehr als nötig, sicher aber weniger als die amerikanische Bevölkerung 1954 in dieses Verhältnis investiert. Als passionierter Buch-Zu-Spät-Zurückbringer und Rückgabetermin-Vergesser, vor allem aber als jemand, der seinen unbedingten Konsumwillen austrickst, indem er sich gleich dutzendfach mit nie zu bezwingender Leihware eindeckt, haben sich in den letzten sechs Jahren so einige Gebühren zwischen mich und meine große Liebe gestellt. Nichtsdestotrotz: Nach jedem Umzug egal wie weit weg, bin ich wieder zu ihr zurückgekommen und zuletzt erwischte ich mich sogar dabei, wie ich zu den Nerds gehörte, die noch vor der Öffnung um 10 Uhr (im Anschluss an eine durchgemachte Nacht) vor der Bibliothek in der Sonne saßen und sehnsüchtig zur Tür starrten. Das hat verschiedene Gründe. Im Sommer ist die Bibliothek der perfekte Ort für alle, die nach einem Besuch im Prinzenbad noch mal eben einen Film ausleihen wollen, aber eklatant pleite sind. Sie ist kühl, ruhig, man kann verschiedenste internationale Magazine lesen, eine unendliche Auswahl an Hörbüchern und Musik leihen, Sprachkurse finden und auch fremdsprachige Literatur mitnehmen. Sogar eine halbe Stunde Internet ist an jedem Netz-Rechner drin. In dieser Bibliothek habe ich schon so einige kauzige Freunde gemacht, persische Maler, die auf der Suche nach Modellen um die Tische streichen, BWL-Studenten aus dem Senegal, die sich in Italien spielende deutsche Liebesschnulzen ansehen, Klassikfanatiker Mitte 40, die beim Wort Pop einen roten Kopf bekommen und Verrückte, die einen mit Empfehlungen verfolgen. An den langen dunklen Tischen kann man Kunstbände blättern, Magisterarbeiten schreiben und sogar Filme gucken. Und weil sie immer Neuigkeiten bereithält, investiere ich auch gern wiederholt 15 Euro Lehrgeld in unsere Beziehung. Bleibt nur zu hoffen, dass das Unken von 2009 über eine neue Berliner Großbibliothek nicht tatsächlich das Ende dieser Romanze einläutet.












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