Kalter Morgen an einem blauen Februar Sonntag. Ein leerer Platz mit Fragmenten aus einer vergangenen Zeit. Fast ist es gänzlich still auf dem Askanischen Platz, nur ferne Kircheglocken und ein paar Rufe vom nahen Fußballfeld. Ein Zirkus aus Beton, ein kleiner Park mit dürren Bäumen Rostige Gleise, leere Bahnsteige, Moos bewachsen. Da steh ich nun und mein Atem wandelt sich zu Wolken in frostklarer Luft. Stille, und doch nein, es scheint ein Wispern um mich herum zu sein. Deutlicher wird es mit jedem Moment. Ich höre Menschen reden und sehe Schatten sich bewegen. Es sind Reisende von damals, bepackt mit Koffern, Säcken, Taschen. Sie hasten zu ihren Zügen, die langgestreckt auf den Gleisen stehen, fliehen aus der Stadt, die keinen Schutz mehr bieten kann. Gesichter schmal, nicht fröhlich, voller Sorge, wo werden sie morgen sein? Schrille Pfiffe von Lokomotiven, Dampfwolken ausstoßend, Kinder weinen. Geruch verbrennender Kohle, Öl, Eisen. Die Schienen sind blank geworden, sie summen unter meinen Füßen. Ich schau mich um und sehe die Veränderung. Sehe einen großen Bahnhof ohne Dach. Sehe den grauen Himmel, wo einst Gespinst von Stahl die kühne Kuppel trug. Sehe Ruinen rings umher, leere Fenster im Excelsior-Hotel. Sehe alte Menschen - auf ihrer letzten Fahrt – nach Theresienstadt, als der Bahnhof noch schützte - sie schützte niemand. Ein gellender Pfiff des Schiedsrichters weckt mich aus meinem Tagtraum. Bin froh drüber, lebe hier und jetzt, lebe im Frieden, muss nicht Sorge haben, in der Nacht geweckt zu werden von Sirenen. Wenn meine Nachbarn mal weg sind, sind sie wahrscheinlich in der Sonne. Flugzeuge am Himmel lassen mich an Urlaub denken, nicht an Bomben. Ein paar Schritte noch zum Kanal, dann bin ich am Ziel. Sonne glitzert golden auf dem trägen Wasser, wenn man sie lang genug auf das Gesicht scheinen lässt, kann man Frühling ahnen.















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