Sagen wir mal so, wer eine kaltblaue Glitzeratmosphäre sucht, lauter lässig herumlehnende Kleiderstangen und –puppen, allesamt Anwärter auf den Titel des Sektglaszwirblers des Universums, der ist hier falsch, aber total falsch! Schon von außen grüßt die internationale Besucherfreundlichkeit und kündigt das „Eis außer Haus“ auch gleich auf Englisch und Spanisch an. Nun ja, das Brandenburger Tor ist in Spuckweite, was will man also erwarten?
Außerdem ist die grenzenlose Touristenhaftigkeit, die das Café Lebensart bis in den letzten Winkel durchherrscht, seltsam erfrischend. Ergraute Herren in Senfjacketts, aus Funktionsjacken emporragende Sportsglatzköpfe, glucksende Tanten in Cargohosen, hier fällt nur auf, wer nicht für den touristischen Gewaltmarsch ausgerüstet ist, und vermutlich nicht mal der. Kaum nach dem Eintritt steht man vor einem vielleicht zwei Meter breiten Kuchenaussteller. Ob Käsemohnapfel-, Schmand- oder Schwarzwälderkirschtorte, das Angebot ist breit und die Hauspreise liegen alle um die 3,50 Euro, die To-Go-Variante ist im Schnitt 90 Cent günstiger. Der Geschmack meines Apfelkuchens hält sich aber leider in ziemlich überschaubaren Grenzen. Fade und irgendwie verkühlschrankt kommt das Ding rüber. Leider hängt auch der Beutel mit den Darjeelingblättchen schon im Wasser, so dass ich meine Stoppuhr für die sekundengenaue Teeberechnung seufzend wieder in die Tasche schiebe. Zur Ablenkung von all diesen Schauerlichkeiten studiere ich die Karte.
Die Große Currywurst mit Pommes kostet stolze 9,50 Euro, das hausgebraute Lebensartpilsner liegt bei 3,90 Euro der halbe Liter und der große Milchkaffee 5,50 Euro. Nun ja, die Gegend. Apropos! Wenn man nicht wie wir in der düsteren Kloeinflugschneise sitzt, sondern im ersten Stock an der Fensterfront, wo man hinunterschauen kann auf das Gebummel und Gestromer Unter den Linden, dann könnte es hier, zumindest für eine erschöpfte halbe Stunde, ganz nett sein.












Kommentare