Icon Berlin. Und schon wieder hat es einen der alteingesessenen und etablierten Clubs Berlins erwischt: das Icon im Prenzlauer Berg muss nach 14 Jahren erfolgreicher Clubgeschichte Ende des Jahres 2010 schließen. Damit geht der Stadt einer der angesagtesten Drum-and-Bass Bastionen mit internationalem Ruhm verloren und auch der ehemals beliebte Feierbezirk Prenzlauer Berg verliert einen weiteren Standort, auf dem einst sein Szenestatus gründete. Vorbei sind die Zeiten durchtanzter Nächte und vorüber sind die Zeiten trommelnder Rhythmen und massiver Breaks in dem Kellergewölbe der ehemaligen Bötzow-Brauerei. Zumindest bis Ende des Jahres darf in dem Club weiter gefeiert werden, aber auch nur, weil das Icon sich mit dem Entzug der Konzession einverstanden erklärte. Ein fauler Kompromiss? Das würde ich nicht behaupten, denn andernfalls hätte das Icon sofort schließen müssen, was aufgrund bestehender Bookings einem finanziellen Desaster gleichgekommen wäre. Zumindest hat auch die Feiergemeinde eine Schonfrist bekommen, in der sie sich gebührend von dem Club verabschieden kann und wer weiß, vielleicht geht es auch an anderer Stelle weiter?! Zu wünschen wäre das sowohl den Veranstaltern, als auch der Berliner Partyszene, kamen doch durch die enge Zusammenarbeit mit dem englischen Label Ninja Tune immer wieder neue Impulse in die Stadt.
Das sich das Icon in dem mittlerweile doch recht eintönigen und fast gutbürgerlichen Bezirk Prenzlauer Berg überhaupt so lange halten konnte, ist schon fast verwunderlich. Allerdings stand die nächste Wohneinheit auch zwanzig Meter weiter weg. Das hat sich Anfang des Jahres geändert. Während der Vermieter ein separates Fundament im Eingangsbereich verlegen ließ, um eventuelle Schallübertragen zu verhindern und auch der Club gut isoliert ist, war diesmal nicht die Lärmbelästigung durch den Club der Anklagepunkt. Stattdessen hatte man sich über den Lärm durch die Besucher beschwert, die des Nachts vor dem Eingangsbereich standen, tranken, rauchten und sich unterhielten. Damit konnte natürlich keiner der Mieter des Neubaus rechnen, dass es in unmittelbarer Nähe eines Clubs nachts zu Ruhestörungen kommen kann. Glücklicherweise ist einer der neuen Mieter ein Anwalt, der just mit einer einstweiligen Verfügung drohte. Ich frage mich wirklich: Muss man eigentlich mit völliger Blindheit geschlagen sein, wenn man erst in unmittelbare Nähe eines Clubs zieht, sich dann aber über nächtliche Ruhestörungen wundert und aufregt? Nicht zum ersten Mal tritt dieses Phänomen auf. Auch die Kneipen der Simon-Dach-Straße im Friedrichshain zum Beispiel können ein Lied von ihren lieben Nachbarn singen, die erst hinzogen, weil der Bezirk ja so „cool“ ist und so viele Ausgehmöglichkeiten bietet, sich dann aber an dem nächtlichen Lärm störten. Wer kommt denn bitte auch auf die Idee über eine Kneipe zu ziehen und dann mit himmelsgleicher Ruhe zu rechnen?
Schade, dass es schon wieder einen Kulturort Berlins erwischt. Einen Ort, an dem die Feierkultur stilisiert, hochgehalten und gelebt wurde. Der nicht Mainstream und der ein wesentlicher Bestandteil der großen musikalischen Vielfalt dieser Stadt war. Und schade, dass schon wieder einer langweiligen Klientel ein Freiraum zugestanden wird. Aber wahrscheinlich ist genau das gewünscht. Denn immerhin besitzen sie die schlagkräftigeren Argumente: finanzielle Mittel.
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