Feste soll man feiern, wie sie fallen. Wir feiern Geburtstag und die Sonne feiert mit. Es liegt also nahe ein Café zu suchen, das um 14 Uhr noch nicht im Schatten liegt und wir landen vor dem Rudimarie in der Weichselstraße. In diesem Café, da ließen sich auch gut Kindergeburtstage feiern. Bunt gestrichene Holzklappstühle und andersfarbige Tische, bestückt mit frischen Sonnenblumen und unterschiedlichen pastellfarbenen Zuckerdosen stehen vor dem großen Fenster an der Hauswand. Vor uns im dichten Grün liegt einer der schönsten Spielplätze Neuköllns mit seinen riesigen Kletterschiffen, an der Brandmauer des Hauses beginnt der Skatepark. Wir sitzen windstill umgeben von wild surrenden Wespen und hören keinen Laut. Besuch auf dem Land, könnte man meinen. Ab und an stromern Gruppen von Kindern an uns vorbei ins Rudimarie, um sich in großen Gläsern aufbewahrte Gummischlangen und Lakritz für ein paar Cent zu kaufen.
Neben dem Spielplatz stehen weitere Tische: Dort trinken Mütter und Väter ihren Sonntagskaffee und beobachten das Treiben auf dem Spielplatz. 1 Euro Pfand wird für den Service auf der anderen Straßenseite aufgeschlagen, um das schöne Geschirr zu schützen. Wenn man das Rudimarie dann betritt, um seine Bestellung aufzugeben, ist es ein bisschen, als würde man in einem Familienwohnzimmer stehen. Ein gepflegter dunkler Holzboden, Sitzbänke und kleine Tische umkreisen die verglaste Theke in der leckere Torten ausgestellt sind. In vergoldeten Bilderrahmen stehen mit Kreide Auszüge aus der Speisekarte, an einem kleinen Tisch unter einem großen weißen Kastenregal voller handgemachter Kinderschuhe, Kissen und Wärmflaschen steht ein Karton Spiele und ein kleines blondes Mädchen zeichnet versunken auf einen Stapel Papier. An einem Tisch am Fenster spielt ein Junge mit seinem Vater Backgammon, während auf dem Holzpodest in der Ecke des großen Zimmers zwei alte Frauen ihren Sonntagsplausch halten. Und weil kleine Mädchen oft das gleiche bestellen möchten wie Mama, bietet das Rudimarie sogar Kindercappuccino an.
Unser Geburtstagsspätaufstehersmenü besteht aus Rührei mit Frühlingszwiebeln, frischem Ingwer-Zitronen-Tee, Bikinisandwich mit Käse (Comté) und einer Waffel. Rhabarbersaft, Suppen und Brote mit Rotweinkäse oder Thymianwurst wollen wir ein andermal probieren. Das Essen kommt trotz großem Andrang überraschend schnell, die Getränke leider als letztes. Das Rührei wird serviert mit kleinem Sprossensalat und einer dicken Scheibe Brot, die ganz ohne Butter irgendwie ein bisschen trocken ist. Die Waffel reißt dafür saftig und weich alles raus. Preislich gesehen kommen wir mit 12 Euro ganz gut weg, allerdings schade, dass die Käse- und anderen Frühstücksmenüs nur in so großer Portionierung und Bepreisung vorkommen. Dafür ist jetzt noch ein bisschen Platz für ein Eis bei Eismarie, einen auf Eissorten spezialisierten Laden ein paar Meter weiter, der dem Rudimarie atmosphärisch in nichts nachsteht.
Ein Besuch im Rudimarie lohnt sich allein schon wegen der unglaublich schönen Atmosphäre. Ein perfekter Ort, für einen Familiennachmittag, um im Anschluss einen Kanalspaziergang zu machen - oder sich im Winter nach einem solchen hier aufzuwärmen. Decken liegen zu diesem Zweck schon bereit.













Kommentare