Seit ich hier wohne, ist mir das Schwarzsauer ein Rätsel. Oder ein gutes Beispiel für die Rätselhaftigkeit des Erfolgs, den ein Cafe eben haben kann. Denn ganz egal, ob es im Schwarzsauer höchstens noch ein verpinkeltes Plätzchen auf der Toilette gibt, weil es so extrem voll ist, das Zaza daneben ist und bleibt gähnend leer. Und das, obwohl die Rauchzeiten im Schwarzsauer noch immer nicht abgeblasen wurden. Nach wie vor quillt die Nikotinglocke grau und bitter bis in den letzten Winkel der kleinen Einraumbar und lässt so manchen Gast röchelnd auf die Straße taumeln.
Andere Dinge verändern sich. Wo früher vor allem Fliegerbrillen, Maurerdekollté und die aschblond gebleichten Struwwelpeter herrschten, allesamt natürlich mit ihren hektisch klickernden Macbooks ausgestattet, über denen sie diese fiebrige Wolke von Filmgelaber, Projektgelaber, Kunstgelaber erzeugten, da herrscht heute der Spanier. Aber irgendwie passt das auch. Schließlich hatte das Schwarzsauer schon immer viel gemein mit einer spanischen Bar, die weniger durch eine extraordinäre Geschleckheit auffällt, sondern durch so ein grobes Wohnhallengefühl, das die sozialen Schranken durchlöchert. Ob das auch für das gute alte SS gilt, nun ja, der Kaffee kostet 1,50 Euro, das kleine Bier 2,30 Euro und der Weg führt abwärts nach Mitte.
Am schönsten ist der Laden übrigens am Morgen um sechs. Dann wird gefegt und gewischt, die Stühle hängen kopfüber von den Tischen und die Tür steht offen auf die noch nachtstill daliegende Kastanienallee. Kurz, ich bin echt gerne da, wenn auch viel zu selten. Das Schwarzsauer ist einfach eine richtige Bar, morgens zum Frühstück für 6 Euro oder spät nachts for the great big Bierschwindel!




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