Also, wenn der Kuchenlöwe brüllt, und meiner brüllt ehrlich gesagt ziemlich häufig und ziemlich laut, dann ist und bleibt für mich die erste Adresse auf dem Prenzlauer Berg, wenn nicht in ganz Berlin, das Sowohlalsauch. Um hier einen Platz zu bekommen, bin am Sonntag auch gern mal bereit, zehn Minuten im Gerummel der Gäste und Kellner zu warten, das sich, zumal im Winter, zwischen den dicht gestellten Tischen schnell ergibt.
Aber wenn dann endlich ein Platz frei wird, am besten auf der fast die ganze Länge des Ladens durchlaufenden roten Couch, dann hat sich das Warten definitiv gelohnt. Kaum niedergesetzt, begebe ich mich auch schon zum Studium des Angebots an den Kuchenaussteller. Die Hände zittern, als zuckten zweihundertzwanzig Volt hindurch, aber so ist das eben, wenn die Nervenbahnen so grässlich unterzuckert sind. Also, Konzentration! Von der klassischen Schwarzwälderkirschtorte über den Carrotcake bis zur Sachertorte (alle zwischen 2,90 und 3,50 Euro) gibt es soviele tolle Sachen, dass ich schon wiederholt verführt war, dem Namen des Ladens alle Ehre zu machen. Nein, ich fahre meinen Bauch noch nicht in einer Schubkarre durch die Gegend. Sondern auf einem Rollator mit Ladefläche. Quatsch! Schnell einen Blick in die Kaffeekarte geworfen! Die beknackten Namen wie Kleiner Brauner und Einspänner (fehlt nur noch der Rossapfelige) zeugen von der ursprünglichen Idee, ein Wiener Kaffeehaus in Berlin zu eröffnen. Dafür fehlt es allerdings an der hallenartigen Großzügigkeit, die den Gast in den österreichischen Originalschauplätzen so schön abrückt vom Geschiebe und Gedränge.
Aber wir sind in Berlin, und zwar auf dem Prenzlauer Berg, wo wir am Nebentisch die kecken Mütter beobachten können, wie sie Baby und Kuchen zusammen geschaukelt kriegen und nebenbei noch kluge Dinge aus dem Studium zitieren.




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